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  Wetterstein Zugspitze - Bergführerweg Eisenzeit (IV- / 2150 hm) 23.7.23
Geschrieben von: Moe - 28.09.2023, 11:35 - Forum: Deutschland - Keine Antworten

Wetterstein Zugspitze Nordseite Bergführerweg Eisenzeit auf die Zugspitze (IV- / 2150 hm) Begehung vom 23.07.2023

Facts über die Tour:
Erstbegeher / Erstbesteiger: Michael Gebhardt, Till Rehm und Karen Thirlwell zwischen 2013 und 2016.
Weitere Infos über die Geschichte finden sich auf der Homepage des Erstbegehers:
http://www.eisenzeit-zugspitze.de/

Ersten Winterbegehungen: Februar 2016
2150 Hm im Aufstieg, davon 1200 Kletter - und Kraxelmeter

Material:
Topo:
https://www.bergsteigen.com/fileadmin/us...topo_0.jpg

Karte: Alpenvereinskarte 4/2 oder Bayerisches Landesvermessungsamt UK50-48
Zustiegsschuhe
Normale Kletterausrüstung
Bei unserer Taktik simultanes Klettern:
3x 60er / 120er Bandschlinge
1x 180er Bandschlinge
4 Tiblocs mit Ovalkarabiner
60 Meter Einfachseil (da Rückzug nicht wirklich gut wäre)
20 Express-Schlingen (viele lange bzw. mit integrierter Rolle im Karabiner für weniger Seilreibung angenehm)

Nach einer schönen Bouldersession am Samstag, 22.7.23 wurde es Zeit, die Beine etwas zu trainieren.
Die Wettervorhersage für Sonntag war recht ordentlich und der Rest der Familie war auch motiviert.
Ziel war die Eisenzeit: ca. 2000 Hm im Aufstieg in historischem Gelände der Tunnelbauer mit
einer Mischung aus Wandern, Kraxeln, Abseilen und etwas Klettersteig und gemütlichem Abstieg mit der Bahn.
Nicht zu einfache Routenfindung und Steinschlag bzw. brüchiges und schuttiges Gelände sollten dafür
sorgen, dass ein bisschen Abenteuer bleibt.

Nach dem Plan folgt die Umsetzung: Der Wecker klingelte um 1:30 Uhr, Abfahrt um 2:00 Uhr, Ankunft Eibsee 4:15 Uhr.

Beim Parkticket lösen traf uns fast der Schlag. Wir müssen noch den vollen Nachttarif (23:00 - 5:00 Uhr) von 25 € zahlen plus 1 € für jede weitere
Stunde und kommen somit auf 40 € Parkgebühr!

Abmarsch: 4:30 Uhr Eibsee über die alte Skipiste in der Dunkelheit. Der Mond war unsichtbar, die Stirnlampen kämpften mit
der Dunkelheit. Trotzdem gab es keine Probleme mit der Wegfindung.

   
Um 5:40 Uhr waren wir an der Station Riffelriß und nach kurzer Frühstückspause ging es weiter über einen kleinen, aber sehr schönen Weg durch die Latschen mit vielen blühenden Alpenrosen. 

   
Den Abzweig nach rechts haben wir leider verpasst und querten von 1.850 m hinüber zur Sprengseilbahn.
Ein kleiner Umweg, etwas unangenehm, aber wer nicht aufpasst darf auch nicht jammern.

   

   

   

   

Der Weg zum Gamseck war ganz nett und wir wurden von einigen schnellen Gehern schon zu früher Stunde überholt. 

   
Daher gab es auf dem Weg zur Harakiri Leiter schon etwas Steinschlag. 

   

   

   

Der Weg bis zum Stollen mit den ganzen antiken Verankerungen fühlt sich wie ein sportlicher Museumsbesuch an und spätestens hier weiß man, woher die Tour ihren Namen hat. 

   

   

   

Bis zum Stollen mit einer kleinen Kraxeleinlage gingen wir seilfrei und kamen dort um 8:30 Uhr an. 

   

   

Da sich einige Familienmitglieder im Wachstum befinden, war der Hunger schon wieder groß und es musste noch ein zweites Frühstück, mit tollem Blick hinunter zum Eibsee, eingenommen werden.

     

Danach legten wir die Kletterausrüstung an und um 9:15 Uhr ging es mit der Kletterei los. 

   

   

   

   

   

15 lange Express-Schlingen, 4 Tiblocs und einige Schlingen sorgten für unsere 4er Seilschaft für schnelles Vorankommen. So konnten wir in einem Schwung bis zum großen Schuttband simultan klettern und bezogen dort an der rechten Begrenzungswand an 2 NH Stand (ca. 2550 m / 10:30 Uhr), um das ganze Material wieder einzusammeln. 

     
Die Kletterei war insgesamt besser als gedacht, nur das Schuttband am Ende hat nicht wirklich einen Schönheitspreis verdient. Mit genügend Material war es auch kein Problem bis zum Finger wieder gleichzeitig zu klettern. 

   
Die Abzweigung vom Schuttband zum schwarzen Wulst war gut zu finden. Vom letzten Standplatz weg haben wir an der Kante eine steilere, ausgesetztere Direktvariante in perfektem Fels genommen.

Wenn man schon sichert, sollte man sich so eine schöne Genusskletterei nicht entgehen lassen. Und nach dem Schuttband hat man sich auch wieder Edelfels verdient. Hier waren wir wirklich richtig begeistert, wenn es auch nicht der klassische Weg des geringsten Widerstandes war.

   

   
Ausstieg am Finger war um 11:30 Uhr auf 2.680 m.

   
Also erst einmal wieder Pause machen und die restlichen Essens- und Trinkvorräte aufbrauchen, damit man nichts umsonst zum Gipfel schleppt. Dann noch etwas Sonne genießen, die Ameisenstraße am Höllentalklettersteig bestaunen und auf zum Endspurt.

   
Um 12:15 Uhr begannen wir mit den beiden Abseilfahrten und versuchten niemanden am Klettersteig mit Steinschlag zu belästigen. Da man beim Abseilen direkt in den Klettersteig mündet, muss man sich hier unauffällig in die Ameisenstraße einfädeln und schon gehört man selbst zu dieser. 

   

   

   
Ankunft am Zugspitz-Gipfel war um 13:30 Uhr und es war, wie man es sich auf der Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands, eben vorstellt. Unterschiedlichste Nationen, Touristen in Turnschuhen, Wanderer, Bergsteiger mit Pickel und steigeisenfesten Schuhen und natürlich Stau zum Gipfelkreuz und wieder hinunter. Ein langer Aufenthalt war hier nicht nötig, Essen und Trinken waren sowieso aufgebraucht und das Platzangebot begrenzt. Also sind wir für günstige 96 € als Familienticket zum Eibsee hinabgeschwebt und waren um 14:30 Uhr wieder am Auto. Auf der Rückfahrt hat um 15:00 Uhr bereits der/die erste geschlafen. Wer das war, wird natürlich nicht verraten.

Fazit: Die Tour ist nicht zu unrecht beliebt. Der reine Kletterer wird hier keinen Spaß haben, genauso wenig wie der Klettersteiggeher und Wanderer.
Es ist halt einfach Bergsteigen, Museumstour, Konditionstraining und Orientierungslauf in einem, mit dem Kontrast zum Zugspitztourismus. Das Wetter
sollte schon passen und auch Nebel/Wolken erschweren die Orientierung vor allem beim ersten mal bestimmt wesentlich. Wie oben schon
beschrieben, kamen uns die Preise fürs Parken nicht wirklich günstig vor.

Viele Grüße,
Sina und Timo
Silke und Christian

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  Nach Ischgl fahren? Aber nicht doch!
Geschrieben von: Lampi - 01.04.2022, 12:03 - Forum: Skitouren und Steilabfahrten - Keine Antworten

Schützt das Klima & ärgert das Putin

Eigentlich logisch, endlich mal ein guter Vorschlag von DAV:


https://www.alpenverein.de/der-dav/press...38121.html

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  Warnung zum Beginn der Schihochtouren-Saison: Kaum Schnee auf den Gletschern
Geschrieben von: Lampi - 18.03.2022, 12:52 - Forum: Skitouren und Steilabfahrten - Keine Antworten

... und helfen kann nur sehr viel Neuschnee.

Oft würden Spalten nur von gefrorenem Nassschnee und schwachem Schneegries verdeckt – nicht mehr als 20 Zentimeter dick: „Die Position vieler Spalten ist an der Oberfläche kaum einzuschätzen. Es ist sehr ratsam für Gruppen von Skifahrern, sich bei Aufstieg und Abfahrt mit Seil zu bewegen. Zweier-Seilschaften sollte man generell vermeiden.“

Vollständig auf:
https://salzburg.orf.at/stories/3146555/

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  Neue Berechnung des Lawinenrisikos
Geschrieben von: Lampi - 18.03.2022, 12:30 - Forum: Skitouren und Steilabfahrten - Keine Antworten

Ganz interessant für Tourengeher:


Lawinenrisiko neu berechnet


Lawinenunfälle wurden in Relation zu unfallfrei verlaufenen Skitouren gesetzt und so das Lawinenrisiko ermittelt

Es ist nun die Frage, was aus den Erkenntnissen folgt

  1. Werden neue Snowcards herausgegeben?

  2. Wird schneller mal ein Vierer ausgeworfen, wo bisher ein Dreier ausgeworfen wurde? Das wäre meines Erachtens die beste Lösung

  3. Oder einfach nur nichts?

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  LVS-Pflicht in Südtirol
Geschrieben von: Lampi - 18.02.2022, 13:31 - Forum: Skitouren und Steilabfahrten - Keine Antworten

Aus: Quelle:
https://www.alpenverein.de/neue-pflichte...37830.html



Zitat:Zusätzlich zur verpflichtenden Haftpflichtversicherung bringt das neue Wintersportgesetz zwei weitere Änderungen, die auch für Ski- und Pisstentouren, Schneeschuh- und Winterwanderungen gelten: Wer sich auf Wintertour in Gebiete begibt, in welchen Lawinengefahr herrscht, muss mit LVS-Gerät, Sonde und Schaufel ausgerüstet sein.


Abgesehen von der handwerklich schlecht gemachten Verordnung kann ich mir diese Steilvorlage nicht entgehen lassen:

GEGEN DIESE ENTMÜNDIGUNG DES BERGSTEIGERS MÜSSEN WIR UNBEDINGT SPAZIEREN GEHEN!!!

ES IST MEIN KÖRPER UND MEIN RUCKSACK! NUR ICH ENTSCHEIDE, WAS ICH AN MEINEM KÖRPER TRAGE UND WAS ICH IN MEINEN RUCKSACK STECKEEEEEEEEE!!!

 ;D ;D ;D ;D ;D ;D ;D ;D ;D ;D ;D ;D

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  Sanierung: Spritzkarspitze (2606m) – Nordwest-Verschneidung (VI+, V+/A0, 1100m, 26SL)
Geschrieben von: Tobias - 08.10.2021, 20:09 - Forum: Österreich - Antworten (3)

An insgesamt drei langen Klettertagen im September 2019 und 2020 wurde die Nordwest-Verschneidung an der Spritzkarspitze von Joachim Hagel und mir grundlegend sanft saniert. Bei der Nordwest-Verschneidung an der Spritzkarspitze im Karwendel handelt es sich um eine hervorragende, lange, klassische Karwendelroute mit großartigem Nordwandambiente hoch über der Eng und in direkter Nachbarschaft zu den legendären großen Karwendel Nordwänden, Grubenkarspitze, Dreizinkenspitze, Laliderer Wand und Laliderer Spitze. Die Route wurde am 12.09.1979 von Franz Baumann und Annelotte Rosenhagen erstbegangen. Die Zahlen und Fakten zur Tour sind 1100 m Kletterlänge 800m Wandhöhe, 26 Seillängen, Schwierigkeiten der Schlüsselstelle 6+ (5+obl.) der überwiegende Teil der Route verläuft jedoch im 4. und 5 Schwierigkeitsgrat. Zu dem klettert man bei dieser Route auf fast ausschließlich gutem und festen Kalk Gestein, was in diesem Schwierigkeitsbereich für Karwendel-Verhältnisse doch eine große Besonderheit darstellt. Lediglich ganz wenige und wenn dann kurze Abschnitte sind etwas brüchig. Die Nordwestwand der Spritzkarspitze ist in dem Bereich auf nahezu der gesamten (!) Wandhöhe von 800m durch eine offensichtliche Riesenverschneidung durchzogen. Man darf sich also durchaus wundern warum diese offensichtliche Linie bis ins Jahr der Erstbegehung 1979 unversucht blieb. Zumal schon Jahrzehntelang zuvor die alpine Kletterelite der 20er, 30er, 40er, 50er und 60 er Jahren, ausgestattet mit sicherlich sehr wachem Auge für große logische Linien, von den Engalmen übers Hohljoch den Laliderer Wänden entgegen gepilgert ist.
 
Kurzum, es handelt sich bei dieser Route, nicht nur unter klassischen Gesichtspunkten, um ein echtes Karwendel Highlight im mittleren Schwierigkeitsbereich mit dem begeisternden, vergleichbar strengen Nordwand-Ambiente einer klassischen Laliderer Route. Das Ganze kann nun aber bei einer absolut soliden Grundabsicherung in vollen Zügen genossen werden.
 
Eine weitere Besonderheit ist der äußerst, kompakte und plattige Fels im Bereich der offensichtlichen, und namensgebenden Riesenverschneidung der unteren Wandhälfte. Das bedeutet, das mit Keilen und Friends nicht viel anzufangen ist und für den geringen Schwierigkeitsgrad eher selten zusätzlich abgesichert werden kann.
 
 
   
Ein Archiv Bild von Franz Baumann aus den 1950er Jahren mit nachträglich eingezeichneter Linie, welches bei Franz zu Hause groß im Bilderrahmen hängt. Schon damals als er im Karwendel erste große klassische Nordwandtouren an Laliderer oder Grubenkarspitze kletterte war die NW Verschneidung der Spritzkarspitze scheinbar von seinem Interesse, wie die Szene der zwei jungen Burschen in den 1950er Jahren zeigt.
 
 
   
Ein Bild aus dem Jahre 2012. Franz Baumann mit über 70 Jahren vor „seiner“ Nordwest-Verschneidung
 
 
Die Route lässt sich grob in drei Abschnitte unterteilen:

  • Unterer Teil, Seillängen 1-9:
mehr oder weniger entlang der offensichtlichen, und namensgebenden Riesenverschneidung bis in die Gufel mit dem alten Wandbuch Platz. Immer im meist plattigen, kompakten Wandbereich links des Verschneidungsgrundes
  • Mittlerer Teil, Seillängen 9-20:
ein großer sperrender senkrechter Wandbereich wird auf dem logischen leichtesten Weg in vielen Seillängen links umgangen. Erst am Stand vor der Schlüsselseillänge wird der zentrale Verschneidungsgrund der Riesenverschneidung wieder erreicht. Die Schlüsselseillänge (20. Seillänge) führt nun auf ein paar Metern steil und athletisch empor bis unter ein großes markantes Dach. Neuer Wandbuchplatz.
  • Oberer Teil, Seillängen 21-26:
Die Route führt nun durch einen horizontalen zwei Seillängen Quergang nach rechts und somit endgültig aus der zentralen Verschneidung heraus. Nachdem Quergang folgen noch vier Seillängen bis zum Ausstieg in einer Gratscharte im West-Südwest Grat, ca. 70 Hm unter dem Gipfel der Spritzkarspitze.
 
 
   
Das aktuelle Wandbild mit exaktem Routenverlauf und Standplätzen nach der Sanierung im Jahre 2019 und 2020.
 
 
Die Route wurde am 12.09.1979 von Franz Baumann und Annelotte Rosenhagen erstbegangen, mit Biwak im Abstieg im Bereich des Hochglückkar. Ein erster richtiger Anlauf der beiden bis nach der Schlüsselseillänge war wenige Tage zuvor vorrausgegangen. Bei diesem ersten richtigen Anlauf biwakierten die beiden beim Abseilen frierend in der Gufel des späteren Wandbuchplatzes. Franz Baumann, vielen auch bekannt als der „Karwendel-Franz“, hat alleine im Karwendel über ein Dutzend große und lange Routen erstbegangen. Bereits in den frühen 90er Jahren hat er damit begonnen die Nordwestverschneidung zu sanieren (je ein Tag im Jahr 1995 und 1996) und hat im unteren Teil bis zur 12. Seillänge bereits einige geklebte Gerüstösen gesetzt. Vermutlich waren dies im gesamten zentralen Karwendel die ersten Bohrhaken im alpinen Gelände. Bei einer aufwendigen Solo-Aktion hat sich Franz 1997 von oben kommend über die Route abgeseilt und eine Abseilpiste mit je einem selbstgebauten Alu-Bohrhaken (später dazu mehr) eingerichtet. Mit zunehmendem Alter konnte er aber die Sanierung nicht mehr selber abschließen. Über 20 Jahre lang sollte es ein Traum von Franz Baumann bleiben…
 
 
Wie kam es zu dieser Sanierungsaktion?
 
Das ist eine längere Sache, dessen Vorgeschichte schon einige Jahre zurückliegt. Ich versuche mich kurz zu halten:
 
Schon seit meinen frühen Kindheits- und Jugendtagen in der Jugendgruppe der DAV Ortsgruppe Laupheim war Franz Baumann für mich immer ein Förderer und alpines Vorbild. Er nahm mich in dieser Zeit öfters mit zum Klettern ans Kletterviadukt Laupheim, ins nahegelegene Blautal oder in umliegende Kletterhallen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Durch Steigendes alpines Niveau meinerseits, trat Franz schon im Jahre 2011-2012 das erste Mal an mich heran, ob nicht diese Tour und die abschließende Sanierung dieser, seiner Karwendel-Perle, mal was für mich wäre. Doch wie es so ist, die Jahre gingen ins Land und viele viele andere Routen und Projekte standen auf meiner, irgendwie immer viel zu vollen, Alpinen-To-Do-Liste. Zudem tauchten im Jahre 2013 von Ralf Sussmann gesammelte Informationen zu einem unklaren Zustand der Schlüsselseillänge mit evtl. Felsausbruch, rausgestürzten Haken und ausgenagelter Schlüsselseillänge auf. Diese Informationen wurden damals auch hier im Rocksports-Forum durch mich und auf dem Blog der Tiroler Alpinen Bande durch Sebastian Posch veröffentlicht.
 
Den sprichwörtlichen Stein ins Rollen oder in diesem Fall eben den Bohrer zum Drehen brachte nochmal jemand ganz anderes: Achim Pasold vom Panico Alpin-Verlag. Im Zuge der umfangreichen Recherchen und Arbeiten für die im Frühjahr 2020 veröffentlichte 5. Auflage des Panico Karwendel-Führers, in welche ich auch an vielen Stellen stark beteiligt war, kam Achim Pasold auch bezüglich der Spritzkarspitze Nordwest-Verschneidung auf mich zu. Er bat mich um einen „Erkundungstrip“ über den Zustand dieser Route. Denn Aufgrund der damaligen Informationslage durch die Infos von Ralf Sussmann wäre die Route vermutlich aus dem Führer rausgeflogen. Nun muss man Wissen das Franz Baumann und Achim Pasold alte Wegbegleiter und Kompagnons aus den Anfängen des Panico Alpinverlages in den frühen 1980er Jahren sind. Unter anderem die 1. Auflage des Blautal-Kletterführer 1983, einer der ersten Kletterführer des jungen Verlages aus der Reihe Kletterführer Schwäbische Alb, ging auf die maßgebliche Mithilfe von Franz Baumann zurück. So wollte also Achim nichts unversucht lassen und nicht so einfach die Route von Franz aus dem Führer werfen. Auch war ich inzwischen hochmotiviert für diesen „Erkundungstrip“ ins Ungewisse. Weitere Gespräche folgten und so wurde irgendwann aus dem reinen „Erkundungstrip“ im September 2019 gleichzeitig ein erster „Sanierungstrip“ in die Nordwest-Verschneidung der Spritzkarspitze. Alle Bohrhaken für die gesamte Aktion spendete der Panico Alpinverlag (Einen ganz großen Dank dafür!!!). Da uns die Fahrtkosten und Spesen auch noch von Franz Baumann gespendeten wurden, fühlte es sich fast so an wie auf Dienstreise. „Nur“ Bohrhaken, Bohrmaschine, Akkus und Schraubglieder schleppen und natürlich Klettern mussten wir dann schon noch selber😉. Mit Joachim Hagel (ebenfalls aus der DAV Ortsgruppe Laupheim) fand sich der perfekte und hochmotivierte Partner für dieses Projekt. Vielen Dank Joachim!
 
Sämtliche Aktionen der Sanierung erfolgten auf ausdrücklichen Wunsch und in enger Abstimmung mit dem Erstbegeher Franz Baumann.
 
Ganz unten am Ende dieses Forum Eintrages habe ich auch die komplette Geschichte der Spritzkarspitze Nordwest-Verschneidung von 1979 bis 2021 ausführlich niedergeschrieben.
 
   
Ein Bild von Franz und mir vom August 2012 vor den Laliderer Wänden. Als Ebe und ich damals die berühmt berüchtigte
„Schmid-Krebs“ in der Laliderer Nordwand
kletterten, begleitete uns Franz ins Karwendel und bis zur Falkenhütte. Als Ebe und ich tags drauf die Wand durchstiegen beobachtete uns Franz in den Latschen liegend den ganzen Tag mit dem Fernglas und schwelgte in Erinnerungen an seine großen Tage in diesen Wänden.

 
 
Wie und was wurde saniert?
 
  • Standplätze:
Es befinden sich nun durchgehend an allen 26 Standplätzen zwei Bohrhaken. An allen Standplätzen die auch bei einem Abseilen über die Tour verwendet werden, wurden diese zwei Bohrhaken jeweils mit einem Seilstück miteinander verbunden und im unteren Bohrhaken befindet sich ein Schraubglied.
  • Zwischensicherungen:
Bei den Zwischensicherungen wurde von uns ganz stark darauf geachtet den angefangenen Sanierungsstil der unteren Seillängen von Franz Baumann aus den 90er Jahren beizubehalten. Das bedeutet bei den überwiegend 40-50 Meter langen Seillängen sind meist nur 2-3 gebohrte Zwischensicherungen pro Seillänge vorhanden. Die meisten der Baumannschen-Alu-Laschen wurden durch Edelstahl-Laschen ersetzt. Bei den neuen Bohrhaken wurde selbstverständlich ausschließlich Edelstahlmaterial verwendet.
  • Wandbuch:
Das sehr gut erhaltene Wandbuch bekam einen neuen Platz und eine neue Wandbuch-Kassette. Es wurde von der Gufel nach der 9. Seillänge auf den Stand nach der 20. Seillänge (Schlüsselseillänge) verlegt.
  • Abseilpiste:
Die von Franz Baumann im Zuge seiner Sanierungsaktion 1997 eingerichtete Abseilpiste wurde 1:1 beibehalten. Es wurden aber auch alle 5 im Wandmittelteil neben der Kletterroute liegenden Abseilstände mit zwei Bohrhaken, Schraubglied und Verbindungs-Seilstück ausgestattet.
  • Gesamt verbautes Material:
An allen 3 Sanierungstagen zusammen wurden von uns 77 zusätzliche Bohrhaken gesetzt und 34 Schraubglieder angebracht. Insgesamt befinden sich auf der Route und der Abseilpiste nun 118 Bohrhaken. Allein 69 davon befinden sich an den Standplätzen und Abseilständen. Entsprechend sind es „nur“ 49 Zwischensicherungs-Bohrhaken verteilt auf 26 Seillängen und ca. 1100m Kletterlänge. Für Freunde der Statistik bedeutet das durchschnittlich 1,88 Bohrhaken pro Seillänge bei einer durchschnittlichen Seillängen Länge von 42m! Wie aus diesen Zahlen eindeutig hervor geht haben wir den sehr zurückhaltenden Stil von Franz Baumann aus den Seillängen 1-9 kompromisslos bis nach oben fortgesetzt und durchgezogen. Eventuelle Kritiker dieser Sanierungsaktion brauchen also zu mindestens vor einer übermäßigen Flut an Zwischensicherungs-Bohrhaken keine Angst haben.
  • Vergleich zum Originalzustand der Erstbegehung:
Im Vergleich zum Originalzustand aus dem Jahre 1979 hat das selbstverständlich nun aber dennoch überhaupt nichts mehr zu tun. Laut Originaltopo wurden damals lediglich 33 Normalhaken in der ganzen Wand hinterlassen! 24 Standhaken und nur 9 Zwischenhaken!!! Das war eine völlig andere Liga. Wer nun, nach der Sanierung, in den unteren Plattenseillängen 15m über dem letzten Bohrhaken im komplett kompakten und plattigen 4er Gelände die weiten Hakenabstände moniert, wird die Leistung der Erstbegeher und frühen Wiederholer anerkennen. Denn früher sah das hier folgendermaßen aus: Ein einziger Normalhaken am Stand und dann 45m nichts, überhaupt gar nichts! Hier musste einfach kompromisslos 45 m ohne Zwischensicherung bis zum nächsten Standhaken geklettert werden! Selbstverständlichen in der Hoffnung in auch erstmal zu finden!!!
  • Topo:
Im Zuge der Sanierung wurde von mir auch ein komplett überarbeitetes Topo erstellt. Wichtig zu wissen ist, dass das Topo welches im Panico Karwendelführer (5. Auflage, Frühsommer 2020) abgedruckt ist, nur den Sanierungszustand bis zur 20.Seillänge (Schlüsselseillänge) zeigt. Den weiter waren wir damals zur Drucklegung eben leider noch nicht. Leider ist im abgedruckten Topo auch noch ein Fehler im Bereich des nach der Schlüsselseillänge folgenden Quergangs. Das Topo an sich stimmt, aber an der seitlichen Seillängen-Legende, ist der Quergang fälschlicherweise als eine 25m Seillänge gekennzeichnet. Das stimmt nicht. Der Quergang sind zwei Seillängen (45 +20m). Der obere Teil wurde erst im September 2020 von uns erstmals geklettert und saniert und somit hatten wir auch diesen Quergang zum Zeitpunkt der Drucklegung eben noch nicht geklettert. Ganz unabhängig von diesem Fehler in der gedruckten Version war es mit Panico immer schon so angedacht, dass wir das komplett bis oben aktualisierte Topo auf der Panico Homepage veröffentlichen.

Das Topo steht auf der Homepage des Panico Alpinverlag gratis zum Downlaod beim
„Alpinkletterführer Karwendel“
unter der Ruprik „Updates“ zum Download bereit. Wer die Tour also klettern will soll sich unbedingt dieses aktualisierte Topo besorgen. Es zeigt nun den kompletten sanierten Zustand aller 26 Seillänge.



 
 
Die folgenden Bilder sind nach dem Routenverlauf sortiert. Das heißt es kommen von allen drei Sanierungstagen die Bilder gemischt vor:
 
   
Von der Eng aus dominiert eindeutig die Spritzkarspitze mit ihrer düsteren Nordwand das Ambiente. Die Nordwest-Wand ist die leicht besonnte Wand rechts des Gipfels
 
 
   
Auf dem Weg Richtung Enger Grund steht dann die Grubenkarspitze Nordost-Wand beeindruckend vor einem. Am 1. Sanierungstag im September 2019 sind wir erst bei Tageslicht gestartet und können so noch im Zustieg dieses Alpenglühen bewundern.
 
 
   
1.Seillänge (IV+) – Beim Durchstieg und der geplanten Sanierung des oberen Wandteils am 3. Sanierungstag im September 2020 klettern wir dagegen die ersten Seillängen noch im Dunkeln mit Stirnlampe. Wir wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht was uns dort im oberen Wandteil erwartet und erwarteten einen ultralangen Tag. Was sich allerdings nicht bewahrheiten sollte.
 
 
   
2. Seillänge (IV)
 
 
   
4. Seillänge (IV-) – die für den unteren Wandteil charakteristischen riesigen Plattenfluchten
 
 
   
einer der ehemaligen einzelnen Standhaken aus dem Jahr 1979
 
 
   
typischer Stand im unteren Wandteil nach der Sanierungsaktion: geklebte Gerüstöse von Franz Baumann aus dem Jahr 1995 und Expressanker mit Lasche aus dem Jahr 2019 erweitert um ein Schraubglied und verbunden mit Seilstück
 
 
   
5. Seillänge (VI, V A0) – rechts die markante riesige 1. Höhle. Joachim direkt vor dem kurzen schweren Wulst. Der Teil dieser Seillänge vor und nach dem Wulst ist im 4.Grad
 
 
   
8. Seillänge (V-) – nachdem man in der 7. Seillänge 50 m Gehgelände hinter sich gebracht folgen in der 8. SL und 9. SL zwei Seillängen entlang einer markanten Pfeilerrippe. Die auch im Panico Topo erwähnte zwei Seillängen Variante in einer plattigen Rinne links dieser Pfeilerrippe haben wir uns am 2. Sanierungstag mal angeschaut und sie geklettert. Franz hatte uns im Vorfeld vor möglichem Steinschlag von oben in dieser Rinne gewarnt. Bei uns blieb zwar alles ruhig aber einer von Franz in dieser Rinne gesetzten Alu Bohrhaken sah derart übel und vom Steinschlag malträtiert (siehe Bild weiter unten) aus, dass wir diese Variante „Kanonenrohr“ tauften und nicht (!) saniert haben. Es empfiehlt sich hier als definitiv auf der Pfeilerkante und somit auf der Hauptroute zu bleiben.
 
 
   
9. Seillänge (V-) – Joachim in der Gufel am Stand nach der 9. Seillänge. Diese Gufel beherbergte bis September 2020 das Wandbuch.
 
 
   
Zum Gedenken an Annelotte Rosenhagen diese 1. Seite im Wandbuch. Sie verunglückte 1994 beim Alpinklettern im Sarchatal bei Arco tödlich.
 
 
   
10. Seillänge (3+) – mit dieser Seillänge verlässt man den unteren Wandteil und man zieht nach links hinaus aus der namensgebenden Riesenverschneidung
 
 
   
10. Seillänge (3+) – beim Durchstieg und der geplanten Sanierung des oberen Wandteils am 3. Sanierungstag im September 2020 sind wir, wie schonmal erwähnt, sehr früh unterwegs. Aber nicht nur das, wir sind auch viel schneller unterwegs. Denn Erstens besitzen wir nach den vorangegangenen zwei Sanierungstagen in der Wand perfekte Routenkenntnis und Zweitens müssen wir im unteren und mittleren Wandteil nichts mehr Bohren oder einrichten. Als Folge davon klettern wir bis zur Schlüsselseillänge in der 20. Seillänge fast alles am laufenden Seil, können den Sonnenaufgang an der Grubenkarspitze (siehe Bild) nicht mehr im Zustieg wie beim 1. Sanierungstag, sondern schon in der 10. Seillänge genießen und stehen bereits gegen 10 Uhr morgens am Stand nach der Schlüsselseillänge in der 20. Seillänge.
 
 
   
12. Seillänge (V-)
 
 
   
einer von Franz Baumanns bekannten roten Normalhaken, die in vielen seiner Karwendel Erstbegehungen zu seinem Markenzeichen gehören
 
 
   
13. Seillänge (V-)
 
 
   
je höher man kommt umso imposanter werden die Eindrücke in dieser schroffen Welt der riesigen Felswände
 
 
   
Joachim am Stand nach der 17.Seillänge. Das Bild zeigt einen guten Überblick über den weiteren Routenverlauf. In der 19.Seillänge ist es ganz wichtig bis ganz nach rechts in den Verschneidungsgrund zu queren. Erst dort ist der Standplatz, auch wenn er aus der Seillänge heraus zunächst nicht zu sehen ist! Die eingezeichnete mögliche Verhauervariante rechts des Schwarzen Loches führte möglicherweise zum schweren Kletterunfall von 2008 (siehe Geschichte zur Route).
 
 
   
Die letzten Meter der besagten 19. Seillänge (VI-). Joachim hier schon am Stand im Verschneidungsgrund nach der 19. Seillänge und vor der Schlüsselseillänge.
 
 
   
20.Seillänge (VI+ oder V+, A0) – Die für einige Meter richtig steile, athletische, knackige aber gutgriffige Schlüsselseillänge. Am 1. Sanierungstag im September 2019 waren wir richtig froh die Schlüsselseillänge, wider aller Befürchtungen, in tadellosem und originalem Zustand vorzufinden. Selbst die von Franz im Originaltopo eingezeichnete Normalhakenanzahl passte noch perfekt.
 
 
   
Am Stand nach der 20. Seillänge wurde im September 2020 die neue Wandbuch Konsole angebracht. Das Original Wandbuch aus der Gufel nach der 9.Seillänge hat hier weiter oben nun einen neuen Platz bekommen.
 
 
   
Das neue Wandbuch und der Stand nach der 20. Seillänge. Am 1. Sanierungstag im September 2019 bedeutete dieser Stand unseren Highpoint und Umkehrpunkt.
 
 
   
21. Seillänge (IV) – Ab hier wartete am 3. Sanierungstag wieder komplettes Neuland auf uns und die „Sanierungs-Arbeit“ begann. Es folgt der zwei Seillängen Quergang nach rechts hinaus auf der logisch vorgegebenen bandartigen Verwerfung. Der Quergang ist teilweise brüchig aber trotzdem gut gangbar.
 
 
   
21. Seillänge (IV) – Wer vom Ausstieg über die gesamte Route bis zum Wandfuß wieder abseilen will oder muss, muss Bedenken, dass dieses 21. Seillänge in Seilschaft wieder bis zum Wandbuch zurückgeklettert werden muss. Technisch ist es zwar kein Problem und da nahezu horizontal verlaufend auch nicht schwerer wie beim Aufstieg, aber einen gewissen Handlings- und Zeitaufwand bedeutet es natürlich schon. Muss man doch aus dem Abseilmodus wieder für eine Seillänge in den Seilschaftsmodus schalten um dann wieder in den Abseilmodus zu wechseln.
 
 
   
21. Seillänge (IV) – Joachim am Stand nach der 21.Seillänge.
 
 
   
23. Seillänge (IV) – Herrliche Tiefblicke auf die grünen Almböden der Eng-Almen
 
 
   
24. Seillänge (V) – diese Seillänge wird nun im gesamten zweiten Teil der Länge brüchiger. Mit dem Höhepunkt einer doch kurz echt brüchigen Verschneidung kurz bevor man auf den zweiten Pfeilerkopf dieser Länge hochkommt. Hier hatte Franz Baumann schon 1997 während seiner Abseilaktion einen BH gesetzt. Zur zusätzlichen Entschärfung kam hier noch einer dazu. Das Bild selbst zeigt aber noch den ersten Teil dieser Seillänge.
 
 
   
24. Seillänge (V) – Joachim steigt gerade aus der brüchigen Verschneidung ganz am Ende der Länge aus
 
 
   
in dieser Seillänge haben wir den Standplatz für einmal deutlich um einige Meter in guten Felsen verlegt. Der ursprüngliche Stand war noch vor der Verschneidung und kann nun als Zwischensicherung benutzt werden.
 
 
   
25. Seillänge (III) – Nun Naht das Ende in großen Schritten und es sind nur noch 70m oder zwei Seillängen dankbares 3er Gelände bis zum Ausstieg
 
 
   
26. Seillänge (III) – der Ausstieg in der Scharte ist schon in Sicht
 
 
   
Joachim befindet sich hier im Bild noch am letzten Standplatz der Route am Ausstieg. Der gesamte obere Wandteil ab dem Wandbuch ist trotz ein paar brüchiger Passagen deutlich besser gegangen, wie wir es uns durch Franz Vorinformationen erwartet hätten. Bereits um 14 Uhr stehen wir hier das erste Mal an diesem Berg in der Sonne. Nach ausgiebiger Pause und sanieren des letzten Standplatzes geht es in ca. 20 min dem auf dem Bild sichtbaren Grat entlang (bis II) zum Gipfel der Spritzkarspitze. Es zieht sich also länger wie es auf dem Bild den Anschein hat.
 
 
   
Vom Gipfel des Spritzkarspitze folgt ein sehr aufwendiger aber für Alpinkletterer und Bergsteiger wunderschöner Abstieg zurück zum Auto in der Eng. Immer in südöstlicher Richtung dem Gratverlauf entlang bis zur Hochglückscharte (2387 m). Um dorthin zukommen muss aber noch die komplette Eiskarlspitze (2610 m) in teils ausgesetzter, teils brüchiger, teils schrofiger Gratkletterei (bis II) überschritten werden. Auch wenn es sich um vielfach anspruchsvolles Gelände handelt ist das für Alpinisten bei gutem Wetter ein warer Hochgenuss, für so eine lange Strecke am Grat entlang zu schweben. Von der Hochglückscharte kann man schließlich nach Norden ins bis weit in den Sommer hinein schneegefüllte Hochglückkar absteigen. Nun sind es noch ca 1000 Hm bis zur Eng. Vom Hochglückkar zunächst weiter in nördlicher Richtung bis man beim Lärchenschloss auf den AV weg trifft und so am Kirchl zurück in die Eng gelangt. Vom Ausstieg bis zur Eng sind ca. 4-5 Stunden zu veranschlagen!!!
 
 
   
Bald steht der Aufstieg (rote Linie) auf die Eiskarlspitze an. Am Grat Ansatzpunkt auf die Eiskarlspitze bilden zwei markante Risse eine Art V. Es empfiehlt sich den linken Ast des V bis an dessen Ende zu verfolgen. Der Rest ergibt sich dann im weiteren Verlauf gut von selbst
 
 
 
   
Blick vom Gipfel der Eiskarlspitze zurück zur Spritzkarspitze. Die enormen Strecken kommen hier schon etwas heraus. Und die Eiskarlspitze ist auf dem Weg zwischen Spritzkarspitze und Hochgückscharte gerade mal die Hälfte.
 
 
   
schier unendliche Geröllhalden im Hochglückkar… doch auch jeder noch so lange Abstieg hat irgendwann einmal ein Ende und gegen 18 Uhr sind wir wieder zurück am Auto in der Eng. Glücklich über den erfolgreichen Abschluss der Sanierungsaktion, glücklich über einen herrlichen Tag in gewaltigem Ambiente der Karwendel Urwelt und glücklich darüber diese großartige Tour gemacht zu haben.
 
 
Viele Grüße
Joachim und Tobias

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  Dent du Midi – Couloir des Doigts (bis 50°, 600 mH), Wallis 28.05.21
Geschrieben von: Tobias - 09.06.2021, 21:32 - Forum: Schweiz - Keine Antworten

„... doch wenn schon der Fels miserabel ist, warum werden dann auch die Eisfahrten gemieden? Ein Hängegletscher und einige Couloirs drängen sich als Anstiege geradezu auf und schenken jenen, welche sich doch einmal hierher verirren, das große Erlebnis der Stille und Abgeschiedenheit
 
aus: Erich Vanis - im steilen Eis
 
 
Zwischen Genfer See und Martigny ragt auf der westlichen Seite der Rhone eine im deutschsprachigen Raum nahezu unbekannte Berggruppe steil in den Schweizer Himmel empor. Es ist die Gruppe der Dent du Midi. Schon unzählige Male bin ich auf dem Weg ins Wallis oder nach Chamonix beim schweifenden Blick aus dem Auto an der markanten Berggruppe der Dent du Midi hängen geblieben. Allzu reizend stehen diese Zähne und ihre eingelagerten Schnee- und Eiscouloirs hoch über dem Rhone Tal da. Auch wenn die absolute Gipfelhöhe am höchsten Punkt der Haut Cime mit 3257 m eher gering ist, so gibt schlichtweg die Höhendifferenz von ca. 2850 Höhenmeter zwischen Rhonetal und Gipfel ohne größere Flachstücke ein beeindruckendes Bild ab. In Kombination mit der Tatsache, dass dieses Couloir des Doigts auch eine Vanis-Tour aus dem Buch „im steilen Eis“ ist, war also klar, wenn sich die Gelegenheit mal ergibt will ich da mal hoch und auch gleich idealerweise das Couloir mit Ski wieder abfahren. Die Gelegenheit ergab sich nun Ende Mai 2021 perfekt zusammen mit Jürgen und Franzi.
 
Glücklicherweise konnte wir die Route de Soi bis zur markanten 180°Grad Kehre auf ca. 1817m mit dem Auto hochfahren. Die Route de Soi ist ein relativ gut ausgebauter geschotterter Fahrweg der aus dem Val d´Illiez bis zur Alm „Soi d´en Haut“ auf 1887m hochführt. Der Abzweig von der asphaltierten Fahrstraße ist bei P. 1225m. Im Vorfeld war nicht ganz klar ob dies wirklich mit dem Auto möglich ist. Einerseits natürlich wegen möglicher Straßensperrungen anderseits aber vor allem auch wegen dem uns unbekannten Straßenzustand. Im Frühjahr ist ja auf solchen Straßen oftmals mit Lawinenresten, umgestürzten Bäumen, Altschneefeldern, Straßenschäden usw. zu rechnen. Wir hatten aber Glück und im aktuellen Zustand wäre der Fahrweg sogar auch ohne Allrad-Auto befahrbar gewesen. Somit sparen wir uns ca. 600 Hm und die Tour wurde in Kombination mit guten Schneeverhältnissen und Power beim Spuren zur kurzweiligen Halbtagestour.
 
 
    Blick aus dem frühlingshaften Val d´Illiez auf einen Teil der Dent du Midi Gruppe und in Bildmitte das sonnenbeschienene Couloir des Doigts
 
    Dent du Midi – Couloir des Doigts
 
    Dent du Midi – Couloir des Doigts
 
    Abzweig auf die Route de Soi bei P. 1225m
 
    Im Bereich der kleinen Almhütte (Dach am linken Bildrand sichtbar) auf 1910m am Fuße des Geländerücken „Le Sé Borney“. Um 05:30 Uhr sind wir am Auto auf 1817m gestartet.
 
    Kurz nach der kleinen Almhütte geht es dann mit Ski an den Füßen weiter
 
    Auf ca. 2240 m wird der Blick vollends frei auf die Nordwand der Haute Cime. Links das Couloir des Dent Jaune und rechts unser Ziel das Couloir des Doigts
 
    im unteren Teil des Couloir des Doigts – bereits auf diesem Bild ist zu erkennen das die Wände oberhalb des Couloir deutlich Sonne abbekommen. Dadurch bedingt begannen schon gegen 07:30 Uhr die Eis und gelegentlich auch Steinschlag Aktivitäten
 
    im unteren Teil des Couloir des Doigts
 
    die Engstelle ca. in Wandmitte. Die Engstelle ist auf wenigen Metern schon eine Art Kanonenrohr und man hat gegen Eis- und Steinschlag wenig Ausweichmöglichkeiten. Da dies ja bei uns schon auch Thema war steigen wir hier gestaffelt durch die Engstelle. Zwei Bewegen sich und einer beobachtet das Geschehen
 
    unterwegs im Couloir des Doigts
 
    unterwegs im Couloir des Doigts
 
    gegen 09:00 Uhr erreichen wir die Breche des Doigts. Hinter Franzi ragt der mögliche Gipfelaufstieg über den angeblich äußerst brüchigen Nordostgrat (II-III, eine Stele IV) empor
 
    Breche des Doigts
 
    der Grand Combin grüßt herüber
 
    da geht’s runter… die Steilabfahrt kann beginnen
 
    Jürgen und Franzi noch in der Breche des Doigts. Über ihnen nach ist nach rechts oben ziehend nochmal der mögliche Gipfelaufstieg über den angeblich äußerst brüchigen Nordostgrat zu sehen
 
    Steilabfahrt Couloir des Doigts
 
    Steilabfahrt Couloir des Doigts
 
    Steilabfahrt Couloir des Doigts
 
    Steilabfahrt Couloir des Doigts
 
    Steilabfahrt Couloir des Doigts
 
    Einfahrt in die Engstelle
 
    Einfahrt in die Engstelle
 
    unterhalb der Engstelle änderten sich dann zunehmend die Schneebedingungen und es wurde total hart. Das Abfahren wurde zunehmend anspruchsvoller auf teils spiegelglatter Firnkruste
 
    Der Schein trügt. Jürgens Lachen und die sonnige Stimmung täuschen etwas über die spiegelglatte und heikel zu fahrende Firnkruste hinweg
 
    gegen 10:30 Uhr sind wir wieder am Wandfuß
 
    nach einer gemütlichen Pause in der Sonne genießen wir die nun etwas besser aufgefirnten Hänge zurück Richtung Auto
 
    Blick auf das Gelände der Fahrstraße „Route de Soi“. Auch die Alm „Soi d´en Haut“ ist erkennbar. Der Rote Kreis markiert die 180°Grad Kehre auf ca. 1817m und somit unseren Parkplatz und Ausgangspunkt
 
    zunächst gilt es aber noch eine steile Querung zu fahren
 
    5 Minuten vor dem Auto war dann der Schnee vorbei…
 
    …und wir tauchen ein wieder in den Frühling. Gegen 11:15 Uhr sind wir wieder am Auto. 5h 45min nach dem Aufbruch…
 
    Blick zurück auf die Dent du Midi Gruppe
 
 
Literatur:
Im steilen Eis
80 Eiswände in den Alpen
Neuausgabe 1980
Erich Vanis

 
 
Landkarte:
SAC Karte (
https://map.geo.admin.ch
)
 
Viele Grüße
Jürgen, Franzi und Tobias

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  Monte Cristallo - Innerkofler-Eisrinne (bis 55°,M4 WI3,700 mH), Dolomiten 20.05.21
Geschrieben von: Tobias - 05.06.2021, 12:54 - Forum: Italien - Keine Antworten

„Dolomiten, daß ist Felsland, das sind graue Kalkmauern, rote, weit vorspringende Dachüberhänge, das sind bizarre Türme über Bilderbuchalmen und unzähligen Straßenkehren paßauf-paßab. Doch was hat eine Eisrinne in diesem Felsland zu suchen?
 
aus: Erich Vanis - im steilen Eis
 
 
Nach monatelangen Corona Lockdowns, Einschränkungen und Reiserestriktionen gab es mit dieser Tour ein großes Stück Freiheit zurück. So sitzen Jürgen und ich im Mai 2021 zwei Tage nachdem man wieder halbwegs offiziell nach Italien reisen darf im Auto in die Dolomiten und genießen auch die offizielle Freiheit wieder 😉. Ein erstes Highlight bei der abendlichen Anreise war dann gleichmal der Besuch der Pizzeria „Petra“ im Pustertal. Nach 7 Monaten Lockdown mal wieder eine Pizzeria von innen zu sehen war schon irgendwie ein ganz besonderes Gefühl und einfach cool.
 
Für unser Ziel Innerkofler-Eisrinne am Monte Cristallo versprachen wir uns gute bis sehr gute Verhältnisse, sowohl für die geplante Skiabfahrt, wie auch für die Kletterei im Ausstiegs Kamin. Beim Ausstiegskamin bedeuten gute Verhältnisse eine ordentliche und ausreichende Eismenge im Kamingrund. Die unterdurchschnittlich kalten und niederschlagsreichen Monate April und Mai 2021 sollten beide Hoffnungen in vollem Umfang erfüllen und es wurde ein mega starkes Bergerlebnis:
 
    Monte Cristallo – Innerkofler-Eisrinne, Wandbild. Die gelben Punkte zeigen die eingerichteten Standplätze. Details dazu siehe auf dem Topo etwas weiter unten im Bericht
 
    Zunächst geht es ganz eben auf dem Geröll des „Rio Val Fonda“ hinein ins gleichnamige Tal. Dabei wird eine landschaftliche ganz tolle Schlucht durchlaufen…
 
    …mit der ein oder anderen interessanten Bachüberquerung… reichts oder reichts nicht???
 
    Sonnenaufgang am Monte Cristallo… nach lediglich 20 min Skitragen können wir im Val Fonda die Skier anlegen
 
    im hintersten Val Fonda stellt sich einem auf der orografisch rechten Seite eine ausgewachsene Steilstufe in den Weg. Doch wie für Bergsteiger gemacht bietet sich ganz hinten dieser ideale Durchschlupf an und man erreicht relativ bequem das darüberliegende Hochtal des „Circo del Cristallo“
 
    unterwegs im „Circo del Cristallo“ – der Schnee wird tiefer und pulvriger – die Hoffnung auf ideale Abfahrtsbedingungen steigt…
 
    große Dolomiten Kulisse: Piz Popena, Forcella del Cristallo, Monte Cristallo (v.l.n.r.) – so langsam befinden wir uns auf dem Cristallo Gletscher
 
    die letzten Meter im Aufstieg mit den Ski an den Füßen…
 
    von nun an zu Fuß…
 
    im unteren Rinnenteil
 
    im Bereich der Querung in Wandmitte
 
    im Bereich der Querung in Wandmitte
 
    im oberen Rinnenteil
 
    die 3 kurzen Steilaufschwünge des Ausstiegskamin sind bereits gut zuerkennen
 
    Topo Ausstiegskamin (Stand Mai 2021)
 
    nun wird es ernst…Start am 1. Steilaufschwung des Ausstiegskamin. Wir deponieren unsere Skier und einen Rucksack am Stand
 
    1. Steilaufschwung von unten
 
    Ausstieg aus dem 2. Steilaufschwung… mit einem Eisgerät zu Klettern ist einfach Sch… - aus Gewichtsgründen haben wir nur drei Eisgeräte dabei😉
 
    der 3. Steilaufschwung
 
    eingerichteter Stand nach der 3. Stufe (siehe Topo)
 
    eingerichteter Stand kurz unterhalb des Ausstiegs (siehe Topo)
 
    Ausstieg Innerkofler-Eisrinne
 
    tolles Ambiente kurz vor dem Gipfel
 
    am Gipfel des Monte Cristallo (3221 m)
 
    Dolomiten Prominenz – u.a. Antelao, Sorapis und Monte Pelmo
 
    wie immer von der Südseite äußerst unspektakulär: die Drei Zinnen
 
    Abseilen über den Ausstiegskamin
 
    beim Abseilen schlage ich an der Schüsselstelle, dem senkrechten Kamin des 1. Steilaufschwung noch einen soliden Normalhaken als Zwischensicherung. Die Öse war so tief im Riss, dass sie nicht direkt geklippt werden kann. So gab es noch eine doppelte und abgeknotete 6mm Prusik dazu. Je nach Eisverhältnissen dürfte der ein oder andere über den Haken an dieser Stelle recht froh sein…
 
    Eis -und Felsausrüstung wieder weggepackt, jetzt geht’s mit Ski los und wir starten ins zweite Abenteuer: Steilabfahrt Innerkofler-Eisrinne
 
    Steilabfahrt Innerkofler-Eisrinne
 
    Steilabfahrt Innerkofler-Eisrinne
 
    Steilabfahrt Innerkofler-Eisrinne
 
    Steilabfahrt Innerkofler-Eisrinne
 
    Steilabfahrt Innerkofler-Eisrinne
 
    im Bereich der Querung seilen wir noch einmal 25m ab
 
    Steilabfahrt Innerkofler-Eisrinne
 
    Steilabfahrt Innerkofler-Eisrinne
 
    der Jahreszeit entsprechend war weiter unten schon surfen im tiefen Sulz angesagt
 
    Rückblick ins Val Fonda und auf den Monte Cristallo – nun geht es wieder in die landschaftlich tolle Schlucht des Rio Val Fonda
 
    das breite Bachbett des Val Fonda…
 
 
Literatur:
Firn- und Eisklettern in den Ostalpen
1.Auflage 2004 oder 2. Auflage 2016
Andreas Jentzsch, Axel Jentzsch-Rabl
Alpinverlag
 
Im steilen Eis
80 Eiswände in den Alpen
Neuausgabe 1980
Erich Vanis

 
 
Landkarte:
1:25000: Tabacco Karte, 03, Cortina D´Ampezzo
 
Viele Grüße
Jürgen und Tobias

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  Bockkarkopf (2609 m) – Nordrinne (bis 45°/400Hm) / Allgäu 25.01.20
Geschrieben von: Tobias - 02.02.2020, 20:49 - Forum: Deutschland - Keine Antworten

Ein weiteres Mal in diesem, von äußerst sicheren Lawinen-Verhältnissen, geprägten Januar 2020, wollten Joachim und ich die Gunst der Stunde nutzen um in den Lechtaler- und Allgäuer Alpen ordentlich zum Skibergsteigen zu gehen und eine weitere große Tour angehen. Die stabilen Hochwinter-Verhältnisse haben wir genutzt um eine der anspruchsvollsten Touren im Herzen des Allgäuer Hauptkamms anzugehen: die Besteigung des Bockkarkopf (2609 m) von Oberstdorf/ Fellhorn Skigebiet-Parkplatz (904 m) aus über Einödsbach, Bacher Loch, Vorderes Bockkar, Waltenberger Haus, die Bockkarscharte und den Bockkarkopf Nordostgrat.
 
Nun wäre ja an sich der Gipfel des Bockkarkopfs, übrigens der 7. höchste Gipfel der Allgäuer Alpen, schon ein absolut tolles Winterziel gewesen, doch das Highlight des Tages sollte noch folgen. Und zwar die Befahrung der Bockkarkopf Nordrinne. Diese absolut tolle Linie durch die felsige Nordflanke ist bis zu 45°steil und vom Gipfel bis zum Erreichen des Karboden des Vorderen Bockkar ca. 400 Hm hoch. Je nach Schneemenge und Schneequalität ist es sicherlich vorstellbar direkt vom Gipfelkreuz weg zu fahren. Allerdings wird das vermutlich an diesem sehr windexponierten Grat selten möglich sein und man steigt am besten zu Fuß dem Südwestgrat entlang ab und startet ca. beim Beginn der roten Linie im folgenden Bild. Bei sehr wenig Schnee kann es auch noch sinnvoll sein, die ersten ca. 80 Höhenmeter durch die felsige, schuttige Nordflanke abzusteigen bis man eine relativ markante Einschartung im Nordsporn des Bockkarkopfs erreicht. Diese Einschartung stellt gleichzeitig den eigentlichen Beginn der Bockkarkopf Nordrinne dar. Im folgenden Bild habe ich diese (vor Ort sehr markante) Einschartung mit einem roten Punkt versehen. Im weiteren Verlauf wartet nun eine absolut begeisternde Steilrinne durch felsdurchsetztes Gelände auf die Aspiranten. Die absolute Steilheit erreicht nur an wenigen Stellen 45° und ist somit eher noch im gemütlichen Steilwand-Terrain anzusiedeln. Aber es handelt sich um sehr felsdurchsetztes Absturzgelände und bei härteren Verhältnissen ist hier sicherlich kein Fehler erlaubt. Nach Rücksprache mit dem Oberstdorfer Allgäu-Ski-Extrem-Matador Toni Steuer hat er diese Rinne so auf dieser Linie auch schon befahren.
 
   
Bockkarkopf (2609) – Nordrinne. Gesehen vom Ortseingang Oberstdorf
 
 
 
   
Bockkarkopf (2609). Gesehen vom Fellhorn Skigebiet-Parkplatz (904 m)
 
 
 
Die wilde Szenerie im beeindruckenden Bacher Loch ist einfach jedes Mal wieder imponierend. Ein tief eingeschnittener Graben, steilstes Skitourengelände, gewaltige steile Gras- und Felsdurchsetzte Bergflanken auf allen Seiten und zudem umrahmt von berühmten Allgäuer Bergen wie Trettach, Mädelegabel, Hochfrottspitze, Bockkarkopf, Wilder Mann und Linkerskopf. Allerdings spürt man da hinten förmlich auch, dass man hier wirklich nur bei allerbesten Lawinenverhältnissen und Gefahrenstufe 1 etwas verloren hat. Das letzte Mal das ich im Hochwinter dahinten war ist nun tatsächlich schon wieder 7 Jahre her, damals im Januar 2013 als „Zustieg“ zur berühmten Steilabfahrt durch die
Trettachrinne
.
 
 
 
   
Vom Fellhorn Skigebiet-Parkplatz (904 m) aus geht es zunächst am besten mit dem MTB bis nach Einödsbach (1115 m). Die ca. 4,5 km lange Fahrstraße ist für den individual Verkehr gesperrt.
 
 
 
   
Noch in dunkler Nacht queren wir über den jähen Abgründen des Bacher Loches weiter Tal einwärts
 
 
 
   
Das Bacher Loch wird vom Vorderen Bockkar durch eine hohe Felsstufe getrennt. Der Sommerweg zum Waltenberger Haus führt über einen gesprengten und versicherten Weg quer durch diese Felsstufe ist aber im Winter meist extrem vereist und mit Schnee verweht. Im Winter bietet sich eine steile enge Rinne an der rechten Begrenzung der Steilstufe an um das Bockkar zu erreichen. Die Rinne ist meist sehr hart und über 40° Grad steil. So befinden sich hier die Ski meist eine Weile am Rucksack
 
 
 
   
Steilheit der Winterrinne „am gesprengten Weg“
 
 
 
   
Hat man das Vordere Bockkar erreicht steigt man über ideales Skigelände am Waltenberger Haus (2084 m) vorbei der Bockkarscharte (2504 m) entgegen. Der normale Skiaufstieg zur Bockkarscharte (gelber Pfeil) führt auch schon durch steiles felsdurchsetztes Gelände und erfolgt vor der Scharte oftmals zu Fuß. Da wir ja aber den Gipfel als Ziel haben und nicht die Scharte und zudem wirklich allerbeste Lawinen Verhältnisse vorherrschen steigen wir über eine extrem steile und felsdurchsetzte Rinne (roter Pfeil) direkt in die Scharte beim ersten Gratkopf im Bockkarkopf Nordostgrat auf.
 
 
 
   
direkter Zustieg aus dem Vorderen Bockkar in die Scharte beim ersten Gratkopf im Bockkarkopf Nordostgrat
 
 
 
   
direkter Zustieg aus dem Vorderen Bockkar in die Scharte beim ersten Gratkopf im Bockkarkopf Nordostgrat
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordostgrat (Archiv-Bild aufgenommen am 26.01.2013). Links im Bild der Steinschartenkopf und das Hohe Licht
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordostgrat - ab der Scharte beim ersten Gratkopf ging es mit Steigeisen und Eisgerät weiter.
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordostgrat - von den Versicherungen des Heilbronner Weges der auch über diesen Grat verläuft war außer ein paar roten Punkten nicht viel zu sehen. Die Versicherungen und Drahtseile in diesem Bereich sind vermutlich im Winter meistens unterm Schnee und man sollte sich nicht darauf verlassen diese vorzufinden
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordostgrat –teils hüfttiefes Wühlen im Schnee
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordostgrat
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordostgrat – Achtung auf Wechten!
 
 
 
   
Blick vom Gipfel zur Trettach. Rechts der Trettach spitzelt deutlich niedriger die mehrgipfelige Höfats hindurch.
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordrinne – Einfahrt in die eigentliche Rinne von der weiter oben schon beschriebenen (vor Ort sehr markante) Einschartung
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordrinne – Einfahrt in die eigentliche Rinne
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordrinne – mit Blick hinaus nach Oberstdorf
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordrinne – Einfahrt in die eigentliche Rinne
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordrinne
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordrinne
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordrinne
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordrinne
 
 
 
   
Bockkarkopf Nordrinne – Ausfahrt
 
 
 
   
das 2017 neuerbaute Waltenberger Haus
 
 
 
   
nach herrlichem Skigelände im Vorderen Bockkar wartet am unteren Ende wieder die Winterrinne „am gesprengten Weg“
 
 
 
   
Mein geliebtes Allgäuer Steilgras! Bei einer
Winterbegehung des Rädlergrat
oder einer
Winterbegehung der Himmelhorn Südwand
hätte man in solchem Gelände wohl eher Steigeisen und Eisgeräte am Mann. Mit Ski geht es aber auch ganz gut;-) Das Bild zeigt die Ausfahrt aus dem hintersten Teil des Bacher Loch
 
 
 
   
Wilde Szenerie im vorderen Teil des Bacher Loch Tal
 
 
 
   
Gipfelblicke von Deutschlands südlichstem Ort Einödsbach (1115 m). Trettach, Mädelegabel, Hochfrottspitze, Berge der guten Hoffnung und Bockkarkopf (v.l.n.r.)
 
 
 
Führer / Beschreibungen der Tour bis zum Gipfel des Bockkarkopf:
Skitourenführer Allgäu
Panico
Kristian Rath


Karten:
1:25000:               AV-Karte 2/1 Allgäuer-Lechtaler Alpen – West
 
 
Viele Grüße
Joachim und Tobias

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  Freispitze (2884 m) von Bach über den Dreischartle-Anstieg/ Lechtaler Alpen 11.01.20
Geschrieben von: Tobias - 19.01.2020, 22:31 - Forum: Österreich - Antworten (3)

Die Freispitze (2884 m) in den Lechtaler Alpen ist sicherlich eine der, ja wenn nicht sogar DIE Königstour unter den Lechtaler Skitouren. Der winterliche Anstieg von Bach (1066 m) im Lechtal über das Madau- und Alperschontal in die Einschartung „Dreischartle“ sowie der Fußaufstieg über den anspruchsvollen Dreischartle-Anstieg zum Gipfel ist sicherlich in mehrerlei Hinsicht etwas Besonderes und hebt sich von vielen anderen Lechtal Touren ab. Egal von welcher Seite im Lechtal betrachtet erscheint einem die Freispitze definitiv nicht gerade als Skiberg. Die ersten drei sowie das allerletzte Bild dieses Berichts zeugen davon und zeigen diesen Prachtsberg von verschiedenen Perspektiven. Nun sind die Lechtaler Alpen ja bekanntermaßen berühmt für die vielen zum Teil äußerst anspruchsvollen Skitouren, bei denen meist eh nur der erfahrene Skibergsteiger gefragt ist. So ist es auch nicht weiter verwunderlich das im Panico Skitourenführer Lechtaler Alpen sehr viele Touren mit den Schwierigkeitsstufen 3 und 4 bewertet sind. Die Panico Skitouren-Schwierigkeitsskala kennt in allen Skitouren Führerwerken nur die Stufen 1, 2, 3 und 4.

Die Skitour zur Freispitze jedoch wird in der Panico Welt mit der einzigartigen, ominösen Schwierigkeitstufe 5 (!)bewertet. Die Tour wurde nie in den Skitourenführer mit aufgenommen und es gibt lediglich in den Archiven der Panico Homepage ein älteres, etwas verpixeltes Beschreibungs PDF zu finden. Was irgendwie den Reiz dieser Tour zusätzlich ausmacht. Diese Tatsachen und der Fakt, dass ich trotz bisher zweier Klettertouren in der berühmten Freispitze Südwand noch nie auf dem Hauptgipfel gestanden bin ließen diese Tour schon seit geraumer Zeit weit oben auf meiner Lechtal SkiToDo Liste stehen. Mit dem Gipfel ist es bei den allermeisten Kletterer so, dass sie entweder (wo dies möglich ist) wieder über die Routen in der Südwand abseilen oder sie Queren über das Mergelband am Ende der Südwand nach links Richtung Abstieg und schenken sich die Kraxelei zum Gipfel. So wird der wirkliche Gipfel eher selten besucht. Der Kletterroute
„Schreck-Heel“
wurden mit der Neuauflage 2015 sogar noch „im extremen Fels“ Ehren zu Teil.

   
Freispitze, Rote Platte und Rotspitze gesehen vom Stierlahnzugjoch (Archiv-Bild aufgenommen am 05.04.2014)


   
Unser Aufstiegsweg (rot) und Abstiegsweg (gelb). Freispitze gesehen von der Holzgauer Wetterspitze (Archiv-Bild aufgenommen am 16.02.2019)



   
Freispitze gesehen von der Ruitlspitze (Archiv-Bild aufgenommen am 27.12.2018)



Nun sind natürlich Schwierigkeitsbewertungen immer so eine Sache und in Summe wird auch an der Freispitze nur mit Wasser gekocht, aber der gut 300 Höhenmeter hohe Gipfelanstieg ab dem Skidepot im Dreischartle zu Fuß hat es schon in sich und ist je nach Verhältnissen heikel. Hier ist definitiv der erfahrene Winteralpinist gefragt, der mit Steigeisen und Pickel im ausgesetzten brüchigen Steilschrofen-Felsgelände und je nach Verhältnissen auch mit Seil umzugehen weiß. Skitouren-und Lawinentechnisch stellt sicherlich der über 40° steile voll ostseitige Anstieg ins Dreischartle (2558 m) die heikelste Passage dar. Zudem gilt es zunächst mal einen ca. 11 km (!) langen zähen Marsch durchs Madau- und Alperschontal hinter sich zu bringen bevor die Tour so richtig losgeht. Summa summarum bekommt man also nix geschenkt und die Stufe 5 hat durchaus ihre Berechtigung.

Selbsverständlich ist diese Tour nur bei allerbesten Lawinenverhältnissen machbar!



   
Zunächst mal sieht es geschlagene 2 h und ca. 11km genau so aus…



   
wenn sich dann erstmals dieser Blick ins hintere Alperschontal öffnet biegt man endlich nach links ab und folgt zunächst grob dem Sommerweg Richtung Saxer Alm und die Tour geht eigentlich erst richtig los



   
man folgt dem Grießgampetal bergauf



   
eine gewaltige Lawine (auf diesem Bild ist nur ca. 1/3 der Anrisskante zusehen !!!) hatte einige Zeit vor unserer Tour das gesamte Dreischartlekar und das Grießgampetal ausgeräumt und ist bis ganz runter ins Alperschontal vorgestoßen



   
Querung unter der Freispitze Nordwand. Die namensgebenden drei Scharten sind gut zu erkennen. Das Skidepot im Dreischartle ist in der linksten, höchsten Einschartung



   
Allgäuer Hauptkamm von Süden gesehen. Bockkarkopf, Hochfrottspitze, Mädelegabel, Trettach, Kratzer, Großer Krottenkopf, Marchspitze Wolfebnerspitze usw. (v.l.n.r)



   
der über 40° steile enge Anstieg ins Dreischartle erfordert viele Spitzkehren



   
Spitzkehrenfestival…


   
da geht’s hoch. Blick vom Dreischartle (Skidepot) auf den weiteren Aufstieg zur Freispitze


   
bekannte Lechtaler Nachbarberge: Feuerspitze und Holzgauer Wetterspitze


   
bekannte Lechtaler Nachbarberge: Vorderseespitze


   
gleich zu Beginn stecken komischerweise für ein paar Meter einige Eisenklammern und ein Drahtseil. Das soll´s dann aber auch gewesen sein mit Versicherungen am „Dreischartle-Anstieg“


   


   
bald nach den Eisenklammern folgt je nach Verhältnissen gleich mal eine heikle Passage. Per ausgesetzter Querung über brüchige Steilschrofen muss eine parallel verlaufende Rippe erreicht werde. Diese Rippe oder die Flanke rechts der Rippe wird je nach Verhältnissen für den weiteren Aufstieg genutzt.


   
unterwegs auf der Rippe


   
unterwegs auf der Rippe


   
unterwegs auf der Rippe


   
im oberen Drittel steilt es nochmal merklich auf. Der markante Grau, Gelb, Rote Gipfelaufbau wird an seinem Fuße nach rechts gequert


   
Nach der Rechtsquerung am Fuße des markanten Gipfelaufbaus folgt die steile schuttige Gipfelrinne


   
Ausstieg aus der Gipfelrinne


   
vom Ende der Gipfelrinne aus trennen einen nur noch wenige Höhenmeter Kletterei vom Gipfel


   
Freispitze (2884 m)


   
Freispitze (2884 m)


   
bekannte Lechtaler Nachbarberge: Parseierspitze


   
Abstieg durch die Gipfelrinne


   
im Abstieg wählten wir unterhalb der Gipfelrinne den direkten Weg über die bei uns mit sehr grieseligem Schnee bedeckte Flanke südlich unserer Aufstiegsrippe.


   
unterbrochen von wenigen Felsstufen


   
unterwegs in den Weiten der Freispitz Westflanke


   
unterwegs in den Weiten der Freispitz Westflanke


   
Abfahrtsfreuden unterhalb des Dreischartle


   


   
was mit 11 km Talhatscher beginnt endet auch wieder damit,-) Das Alperschontal läuft noch sehr gut raus mit Ski, doch im Madautal ist dann je nach Anzahl und Härtegrat der Skidoospuren des Alperschontaler-Jägertourismus Schluss mit Abfahren und es darf kilometerlang geskatet oder gelaufen werden.

Im Bereich der Wildfütterung am Beginn des Alperschontal sollte dringend darauf geachtet werden diese zu mindestens nicht in der Dämmerung zu passieren. Gegenseitige Rücksichtnahme gebührt dies.

Um eventuellen Problemen an der Wildfütterung aus dem Weg zu gehen, besteht auch die Möglichkeit, die Tour von Kaisers aus anzugehen. Dazu von Kaisers ins Stierlahnzugjoch (2596 m) und von dort durch das gesamte obere Alperschontal abfahren bis zum Abzweig richtung Saxer Alm. Da diese Möglichkeit natürlich um Welten länger ist und nach der Tour einen ca. 950Hm langen Gegenanstieg zurück ins Stierlahnzugjoch erfordert, kann auch eine Übernachtung im Winterraum der Ansbacher Hütte (2376 m) in Betracht gezogen werden.

   
Die Freispitze gesehen aus dem Lechtal


Führer / Beschreibungen:
PDF siehe
www.panico.de



Karten:
1:25000: AV-Karte 3/3 Lechtaler Alpen – Parseierspitze

Viele Grüße
Joachim, Michael, Alban und Tobias

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