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Monte Zebru - Ortler Überschreitung 14.-15.11.15
#1
Da das Wetter in der Südalpen eher besser vorhergesagt war, war das Tourenziel Ortler bei Marius und mir irgendwie ziemlich schnell klar. Die erste Idee Hintergrat haben wir dann wegen geschlossener Hütte und nicht verfügbarem Winterraum recht schnell wieder verworfen. Auf der Suche nach Alternativen endeckten wir das der Berg noch einen weiteren Grat nach Süden streckt. Praktischerweise befindet sich genau an dessen Begin auf dem namensgebenden Hochjoch eine Biwakschachtel. Schnelle Recherche ergab das selbiges aber alles andere als einfach zu erreichen ist. Der direkte Zugang von Osten über eine Eisrinne ist so spät im Jahr wohl eher kritisch, der von Westen unangenehm lang. Aber warum nicht quasi im Zustieg den Doppelgipfel des Monte Zebru mitnehmen?
So geht es dann Freitag abends nach Sulden. Parken und Übernachten an der Talstation der Gondel auf 1900m ist kein Problem.
Samstag morgens gehts unter der Gondel bis zur Mittelstation, dann weiter Richtung Hintergrathütte. Diese haben wir mit deutlichem Abstand rechts liegen gelassen und sind in großem Bogen über den Suldenferner unter der Ostwand des Zebru bis zum Begin des langen Suldengrats gequert.

   
Königsspitze Monte Zebru und Ortler
Der Einstieg ist bei der diagonalen Rampe direkt unterhalb des Gipfels der Königgspitze

   
Über den Suldenferner zum Einstieg

Dieser Nordostgrat der Königsspitze bietet den vermutlich einfachsten Zugang zum Suldenjoch zwischen Königsspitze und Monte Zebru.
Der Einstieg auf etwa 2700m erfolgt über eine deutliche von rechts unten nach links oben ziehende Firnrampe.

   
Der Begin der Firnrampe

   
Auf der Rampe

Dieser folgen wir seilfrei bis zu ihrem Ende. Hier leitet eine etwa 20m hohe steil Wand mit einigen Bohrhaken weiter. Der Entschluss hier anzuseilen stellt sich als richtig heraus, die Kletterei entpuppt sich als durchaus fordernd.

   
Die Wand am Ende der Rampe

Zusammen mit den anschliesenden, von Schnee und Kies bedeckten Platten bietet sich uns so schon mal ein Vorgeschmack auf das bevorstehende.

   
Weiter über der langen Suldengrat

Über schrofiges Gelände gelangen wir auf den oberen Teil des Gletschers der sich vom Suldenjoch nach Osten herabzieht und sich unter uns spaltenreich mit dem Suldenferner vereinigt.
Guter Trittfirn leitet nach rechts in Richtung Joch.

   

Der direkte Zugang ist allerdings durch einen Steilabbruch versprerrt, so das wir einige Meter höher aufsteigen müssen um dann über den Beginn des kurzen Suldengrats ins Suldenjoch (etwa 3500m) abzusteigen.

   
Der direkte Zugang zum Sattel ist versperrt

Bis jetzt wars für einen Zustieg schon mal gar nicht ohne und der der halbe Tag ist auch schon vorbei.
Von hier folgen wir simultan dem Südgrat des Monte Zebru über wechselndes Gelände aus Firn und felsigen Aufschwüngen.

   
Der Südgrat des Zebru

Den Ostgipfel lassen wir in anbetracht der forgeschrittenen Uhrzeit links liegen. In Richtung Westgipfel (3740m) bewegen wir uns teils auf dem meist Schneebedeckten Grat, teils in der etwa 50° Steilen Nordwestwand.

   
Der Gipfelgrat im letzten Tageslicht

Im letzten Tageslicht können wir unser Tagesziel das Bivak Citta di Cantu (3535m) gut 200m unter uns am Hochjoch liegen sehen. Laut Karte führt der Normalweg des Monte Zebru weiter am Grat abwärts und dann eben nach rechts zum Biwak. Das ist uns im Dunkel zu kompliziert und wir steigen im Stirnlampenlicht am rechten Rand des Zebru Ferner zur Biwakschachtel ab.
Laut Hüttenbuch sind wir die ersten Besucher seit zwei Monaten. Das Licht funktioniert nicht aber das Biwak ist ordentlich und die Betten bequem.
Erschöpft nach zwölf Stunden ohne wirkliche Pausen sind unsere Ansprüche aber auch nicht mehr besonders hoch.

Am Sonntag morgen versagt uns mein Wecker den Dienst, sodass wir erst um acht Uhr, dafür aber gut ausgeschlafen in Richtung Hochjochgrat aufbrechen.

   
Blick auf den Hochjochgrat

Die erste Hälfte des Grats ist ein sannftes auf und ab über Firn. die wenigen felsigen Aufschwünge sind einfach oder lassen sich unkompliziert umgehen. Allerdings spüren wir die Anstrengungdes gestriegen Tages und die Qualität des Schnees bewegt sich mehr und mehr von Trittfirn zu Bruchharsch.

   
Der leichtere erste Teil des Grats

In der zweiten Hälfte des Grates gehts dafür noch mal richtig zur Sache. Steile Felstürme stellen sich in den Weg. Die leichteste Linie zu finden ist nicht immer einfach. Die Kletterei teilweise schwer und der Fels ist brüchiger als alles was ich bisher beklettern durfte. Spärliche Markierungen und sehr vereinzelte Bohrhaken unterstützen zumindest moralisch. Dafür ist es ziemlich windig und die Sicht wird zunehmend schlechter.

       
Hier darf geklettert werden
       
Hundert Jahre alter Stacheldraht am Ende des Grats

Irgendwann legt sich der Grat endlich zurück. Ein schneebedeckter Stacheldrahtverhau stellt kein Hinderniss mehr dar. Im dicken Nebel gehen wir das letzte Stück über das Plateu bergauf zum Gipfel.

   
Schlechte Sicht am Gipfel

Inzwischen sind wir sechs Stunden unterwegs und der lange Abstieg lieht noch vor uns.
Zum Glück finden wir Spuren denen wir im Abstieg folgen können.

   
Abstieg richtung Ortlerbiwak

Am Ortlerbiwak gönnen wir uns eine kurze Pause, tringen den letzten Tee und essen ein paar Riegel. In der Biwakschachtel sitzen sieben Tschechen die die Nordwand gemacht haben und von uns Zigaretten schnorren wollen. Das sind die einzigen Menschen die wir in den zwei Tagen treffen.

   
Unterhalb des Ortlerbiwak

Irgendwie glaube ich zu diesem Zeitpunkt noch wir seien schon fast wieder unten, aber weit gefehlt. Der Weg zur Payerhütte zieht sich etwa drei Stunden hin. Die Sicherungen sind zun großen Teil von Schnee bedeckt, der Fels ist heikel plattig unter Pulver und das Gelände ausgesetzt. Im letzten Tageslicht erreichen wir endlich die Hütte. Von hier ab geht es im Stirnlampenschein auf einem guten Spazierweg vorbei an der Tabarettahütte in weiteren zwei Stunden zurück zu unserem Auto.

Eine einsame Tour die gerade bei frühwinterlichen Verhältnissen wie wir sie vorgefunden haben durchaus langwierig und schwierig ist. Fluchtmöglichkeiten sind quasi nicht vorhanden und weite Teile objektiv nicht sicher.
Vor allem der Abstieg vom Ortler sollte in seiner Länge nicht unterschätzt werden.
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#2
Hi Felix,

tolle individuelle Tour!!! Gratuliere zum coolen Sulden Round-Trip mit Zebru und Ortler.

Ich war vier Tage später in der Ortler Nordwand. Im Abstieg saßen allerdings keine sieben Tschechen im Ortler Biwak und haben nach Zigaretten geschnorrt... CoolCoolCool

Grüße Tobias

P.S: Ich wusste gar nicht das Südtirol nun endlich wieder zu Österreich gehört WinkWinkWink
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