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Laserzwand - Direkte Nordwand (V+, 600 mH), Lienzer Dolomiten 21.08.13
#1
„Geographisch und – was Rang und Ruhm betrifft – auch im Ansehen liegen die Lienzer Dolomiten Osttirols weitab von den klassischen Dolomitenwänden zwischen Drei Zinnen, Rosengarten und Brentagruppe.“

„Aber wer unser Bild genau anschaut und dazu erfährt, daß diese lotrechte Kalkmauer der Laserzwand von ... bemerkenswerten Kletterführen durchzogen wird, darf sich in das Problem unserer Direkten Nordwand von Gustl Thaler und Gerald Leinweber getrost versenken.“

„Über dem schütter bewaldeten Steilboden des Auerlinggrabens entwickelt sich breit und steil, von der Nordwandkante bis zum Nordostpfeiler, eine eindrucksvolle, scharf abweisende Mauer: abbrechende Riesenwülste, schwarze, wasserüberronnene Überhänge, klaffende Verschneidungen und Kamine…“


aus: Walter Pause – im extremen Fels.


„Der Alpinklassiker im Laserz, bis jetzt von BH frei (mit einer unnötigen Ausnahme). Die 3.SL kann bis in den Hochsommer nass sein, aber sie ist trotzdem kletterbar. … spärlich vorhandene Haken und Sicherungsmöglichkeiten ... der Fels kann phasenweise ziemlich brüchig sein, an den entscheidenden Stellen ist er allerdings ausgezeichnet.“

aus: A. und H. Zlöbl – Klettern in den Lienzer Dolomiten


Aus der Ulmer Gegend stellen die Lienzer Dolomiten zugegebener Maßen schon eher eine extrem selten besuchte Gebirgsgruppe unserer Alpen dar. Zusammen mit Ebe war es aber Ende August soweit und wir statten der Großen Laserzwand und ihrer „Direkten Nordwand“, seines Zeichens Pausetour aus „im extremen Fels“, einen kurzen Besuch ab. Wir kehrten begeistert und mit der Erkenntnis zurück, dass die Lienzer Dolomiten und die Laserzwände definitiv nicht nur wegen der Pausetour ein Reise wert sein dürften Als Einsteigertour für alpine Abenteuertouren ideal geeignet.

    Die Große Laserzwand vom Egerländerweg
    Große Laserzwand - Direkte Nordwand

Das Kennenlernen unzähliger Berge, Wände, ja ganzer Gebirgsgruppen und Gegenden ist übrigens eine, wie ich finde, wunderschöne Begleiterscheinung beim Klettern von Pausetouren. Wenn ich allein daran denke was ich in diesem Jahr 2013 alles für neue Gegenden, Berge und Täler alpenweit kennengelernt habe, freut es mich ungemein. Der Anreiz sich neue Gebiete zu erschließen ist eben als Jäger und Sammler schon seit jeher größer wie für Sesshafte.

Die „Direkte Nordwand“ ist von den reinen Schwierigkeiten her mit V+ sicher unter den einfachsten Pausetouren anzusiedeln, trotzdem ist sie definitiv nicht arm an alpinen Schmankerln und stellt nach wie vor eine kleine Abenteuertour dar. Zwar fehlen ihr die Schwierigkeiten und der ganz große extreme Touch, doch es ist schon der ganze Alpinist gefragt, der mit Routenfindung, Kaminen, nassem Fels und zur Not auch mal mit Hammer und Haken umgehen kann. Ebe und ich konnten die Tour jedenfalls von unten bis oben in vollen Zügen genießen, kamen flott voran uns standen nach 4h 45 min Kletterzeit am Gipfel der Laserzwand. Phasenweise ziemlich brüchigen Fels und eine spärliche Absicherungssituation über welche amüsant in manchen Internetforen diskutiert wird konnten wir jedenfalls definitiv nicht vor finden und fanden den Fels nach alpinklassischen Maßstäben richtig gut und fest.


Tourenbericht:

Am Vorabend fahren wir über die Mautstraße zur Dolomitenhütte (1602 m) hoch und übernachteten auf den großen Parkplatz neben dem Auto. Am nächsten Morgen starten wir gegen 05:45 Uhr und bereits nach 1 h 15 min ist über den Rudl-Eller-Weg der Wandfuß erreicht. Im Zustieg erstrahlte die Nordwand im wunderschönen Morgenlicht und das frühe Aufstehen hat sich mal wieder mehr wie gelohnt.

    die Nordwand im Morgenlicht
    der Großvenediger im Morgenlicht
    unterer Wandteil und Einstiegsbereich

Alle weiteren Angaben beziehen sich auf das gute Topo aus dem Lienzer Dolomiten Kletterführer, welches auch im Internet zu finden ist (siehe Link im Infoteil):

In der 1. SL (V+, 35m) muss man gleich auf den ersten Metern richtig zupacken und man weiß gleich mal wieder was alles eine alpine V+ sein kann. Den Standplatz am Einstieg gilt es selbst mit Cams einzurichten. Am Riss stecken dann zwei Normalhaken. Die 2. SL (IV+, 35m) ist dann klassisches alpine IVer Gelände. Am Stand nach dieser 2. SL steckt nun noch eine zusätzlicher Normalhaken und wurde belassen.

    1. SL (V+, 35m)
    2. SL (IV+, 35m)

Mit der 3. SL (V+, 30 m) wird es interessant und es folgt die vermutlich meist total nasse Links-Rechts-Seillänge. Mit einer eleganten Links-Rechts-Schleife wird in super Kletterei hier nämlich ein sperrender Wandrigel umgangen. Diese Seillänge ist aufgrund ihrer enormen Großgriffigkeit auch bei totaler Nässe gut zu klettern.

    3. SL (V+, 30m)
    3. SL (V+, 30m)
    3. SL (V+, 30m) - der nasse Teil ist überwunden

Laut Pause-Beschreibung folgt mit dem 25 m langen Quergang der 4. SL (V+, 25 m) nun die Schlüsselstelle der Tour. Doch mit Kletterschuhen an den Füßen empfand ich diesen Quergang in bestem Fels nicht unbedingt als die Schlüsselstelle. Da forderte mich eine Kaminseillänge weiter oben schon etwas mehr. So verschieben sich eben die Maßstäbe im Laufe der Jahrzehnte. Trotzdem sollte um große Pendler zu vermeiden an beiden Enden des Seils sicher geklettert werden. Am Stand befinden sich plötzlich zwei recht neue Bohrhaken (?!?). Kreuzt hier eine andere Tour?

    4. SL (V+, 25m) - der große Quergang
    4. SL (V+, 25m) - der große Quergang
    4. SL (V+, 25m) - der große Quergang

Der Fels bleibt super und es folgt eine schöne Ver Länge. Vom Stand zunächst noch ein paar Meter nach links und dann in schöner anhaltender Wandkletterei zum Stand der im Topo erwähnten großen Sanduhr. Wobei diese Sanduhr eigentlich eher eine große angelehnte Schuppe ist.

    5. SL (V, 45 m)

Die nächsten zwei Seillängen 6. SL (IV, 30 m) und 7. SL (IV, 35 m) erfolgen an einem Stück am laufenden Seil. Nach diesen beiden Seillängen steht man auf einem geneigten bandartigen Wandabschitt. Oberhalb setzt eine Art Plattenschuß an welcher durch ein Riss- und Kaminsystem überwunden wird. Vom Band klettere ich noch bis an den Fuß des Riss- und Kaminsystem und beziehe dort Stand an einem perfekten Cam und einem frisch geschlagenen Haken (wurde belassen).

    6. SL (IV, 30 m)

Ist der richtige Weiterweg identifiziert kann das Vergnügen beginnen und es folgen drei tolle klassisch alpine Ver Seillängen. Kamine, Risse, Spreizen und Stemmen ist hier die Devise. Am Stand beim ehemaligen Wandbuch befinden sich völlig unnötigerweise zwei neue Bohrhaken. Die zweite dieser drei Seillängen stellte nach unserem Gefühl die Schlüsselseillänge der Tour dar.

    dieses Riss- und Kaminsystem stellt den Weiterweg dar
    8. SL (V-, 30 m)
    8. SL (V-, 30 m) - toller Kalkfels
    Ebe am Stand vor der Schlüsselseillänge (9. SL)
    9. SL (V+, 50 m)
    10. SL (V-, 50 m)
    10. SL (V-, 50 m)

Nun liegen die größten Schwierigkeiten hinter einem und der es folgen 200 Hm bis zum Ausstieg (II-III eine Passage IV- in den Ausstiegsrissen). Nach zwei Abschnitten am langen Seil sind die Ausstiegsrisse erreicht. Es ist aber alles andere als offensichtlich welche der vielen Möglichkeiten die Beste darstellt und so gilt es sich halt zu entscheiden. Der rote Pfeil im übernächsten Bild markiert den von uns gewählten Ausstiegsriss.

    im leichten oberen Wandteil
    der von uns gewählte Ausstiegsriss
    in den Ausstiegsrissen (IV-)

Nach ca. 4 h 45 min liegt diese tolle 600 Meter hohe Nordwand Tour hinter uns und wenig später ist der Gipfel der Großen Laserzwand (2614 m) erreicht. Über den bequemen Wanderweg des Normalweges sind nach 30 min die Karlsbader Hütte und der nahegelegene wunderschöne Laserzsee erreicht. Von der Karlsbader Hütte (2261 m) ist nach einer knappen Stunde das Auto wieder erreicht.

    Großen Laserzwand (2614 m)
    Großen Laserzwand Normalweg
    Laserzsee
    Karlsbader Hütte
    Laserzwände von Südwesten
    Dolomitenhütte (1602 m)

Falls jemand in den nächsten Jahren am, im oder vor dem Felbertauerntunnel mal wieder etwas im Stau steht hat das folgende Gründe. Auf der Osttiroler Seite des Felbertauerntunnels gab es im Frühjahr 2013 einen gewaltigen Bergrutsch. Die zerstörte Straße wir derzeit auf einer Art Ersatzstraße einspurig umgangen. Ab 2014 wird hier anscheinend eine Straßen-Neuanlage realisiert.

    die ehemalige Felbertauerntunnelstraße


Laserzwand (2614 m) – Direkte Nordwand:
- EB:Gustl Thaler und Gerald Leinweber 05. August 1939
- Schwierigkeit: Überwiegend und anhaltend im V. Schwierigkeitsgrad. Vier Seillängen V+, eine V und zwei weitere V-. Drei weitere Seillängen im IV. Grad. Im oberen Teil 200 Hm II-III eine Passage IV- in den Ausstiegsrissen.
- Felsqualität: Nach alpinklassischen Maßstäben richtig guter und fester Fels insbesondere in allen schweren Seillängen. Natürlich wird es in einer 600 Metertour aus dem Jahre 1939 immer mal auch etwas brüchigere Abschnitte geben. Diese sind aber selten und alles andere als dramatisch.
- Absicherung: Es steckt zwar nicht immer allzu viel aber mit Cams und Keilen kann man hier schon ordentlich arbeiten. Hammer und Haken sollten zumindestens im Rucksack mitgeführt werden. Drei Standplätze wurden von uns mit einem weiteren Normalhaken versehen und auch belassen.
- Wandhöhe: 600mH
- Kletterzeit: 5-7 h


Materialempfehlung:
- 50 m Doppelseil
- 10 Exen
- 6-8 Bandschlingen
- 1 Satz Keile
- 1 Satz Cams: 0.3 bis 3,
- Hammer und einige Haken
- das sonstige, übliche Stand- und Abseilmaterial


Kletterführer / Topos:

Klettern in den Lienzer Dolomiten
1. Auflage 2011
BOOKz – Grafik Zloebel Buchdesign & -verlag
A. und H. Zlöbl

Topo findet sich hier: http://www.gipfeltreffen.at/showthread.p...-Dolomiten

Im extremen Fels
2. Auflage 1977
Walter Pause, Jürgen Winkler


Landkarte:
http://www.tourentipp.net/wp-content/upl...nkarte.jpg


Viele Grüße
Ebe und Tobias
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#2
Insgesamt findet sich im Netz nicht allzu viel über die „Direkte Nordwand“ an der Laserzwand. Einen guten Bericht mit Bildern und guten Eindrücken aus dieser Tour im Juli 2007 findet es sich aber auf der Homepage von Peter Manhartsberger (http://www.kunig.at) unter folgendem Link:

http://www.kunig.at/gallerie/main.php?g2_itemId=16194
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