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26.08.07 Gimpel dir. NW mit Klagemauer - Druckversion

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26.08.07 Gimpel dir. NW mit Klagemauer - Zwerggäuer - 27.08.2007

Frank und ich haben uns am Sonntag aufgemacht, das alpine Flair im Reintal genauer zu inspizieren. Also genauer haben wir uns die direkte Nordwand am Gimpel unter die Griffel genommen. Keine Frage was die Seilschaft Loderer/Ostler hier 1959 geleistet haben ist außergewöhnlich in den Tannheimern für die Zeit.

Die Tour bietet bei 550Hm und über 700m Kl. Länge allerlei Schwierigkeiten die nur selten unter dem 6.Grad zu suchen sind. Der bis zur Hälfte des Schreck-Heel Turmes anspruchsvolle Kletterweg, kann in den letzten 3 SL noch durch den direkten Ausstieg über die Klagemauer, eine Tour von Marcus Lutz die das erste mal den zwingenden 7.Grad in den Tannheimern verlangte, noch gekrönt werden.

Nun aber der Reihe nach.

In aller Herrgottsfrühe geht es in Ulm los, mit den Rädern durchs Reintal hoch, bis kurz unter die Otto-Mayr-Hütte (ca. 1,5h). Eine halbe Std. gräbt man sich dann das Schotterfeld zum Gimpelband hoch. Für den Einstieg wird noch 250m rechts ansteigend weiter gewühlt, bis zu einer markanten, meist feuchten Verschneidung.

Hier geht’s also los, na der Sumpfbewucherung nach, ist's wohl auch selten viel trockener. Ich darf heute als erster, au ja..... .
[Bild: 5_1Sl_Stef_1.jpg]

Dafür ist Frank seine nächste Länge auch nicht trockener und auch nicht fester. Na das kann ja noch lustig werden. In der dritten Länge kommt man aber aus der tiefen Verschneidung raus und schlagartig wird das Fels trocken und auch fester.
[Bild: 5_2Sl_Stef_1.jpg]

Nun ist die Kletterei echt toll, die Schlüssellänge vor dem Nordwandsockel ist eine Platte im unteren 7.Grad mit abschließendem Dächle. Die Haken sind respektvoll weit aber sehr gut platziert.
[Bild: 5_6Sl_Stef_1.jpg]

Nun noch eine Länge und man kommt auf ein kleines Bändchen das einen zum Gimpelband leitet. Diese letzte Länge des unteren Teils darf noch mal richtig genossen werden.
[Bild: 5_7SL_Stef_1.jpg][Bild: 5_7Sl2_Stef_1.jpg]

So diesen unteren sanierten Teil haben wir schnell hinter uns gebracht. Nun fängt der Ernst der Tour an.
Man steigt über brüchiges Gelände eine kleine Stufe im Gimpelband hoch um gleich Richtung des markanten Buges zu klettern (1NH). Am Fuße des Buges ist Stand. Die nächste Länge verlangt etwas kühne Kletterei nach rechts um am Häkchen (Sorry alles andere wäre eine Übertreibung) nach links gleich wieder die Verschneidung des Buges zu erreichen. Stand am Kopf des Felsbuges. Wahrlich prächtige Kletterei wenn auch a weng bröslig.
[Bild: 5_10SL_Stef_1.jpg]

Nun folgt die Schlüsselseillänge des oberen Teils und, wie wir meinen, auch der ganzen Tour. Rechts einem breiten Riss folgend, geht es in erst wuchtiger Kletterei über einen Überhang und dann gleich technisch Diffizil in eine feine Rissspur. Alles zusammen sicher frei im 7. Grad und auch beim Durchnullen darf mit 7- gerechnet werden. Frank meistert die Länge effektiv (das ist das Gegenteil von elegant) im Vorstieg. Respekt!!
[Bild: 5_11SL_Frank_1.jpg]

Eine sehr rampfige Rissverschneidung leitet dann in leichteres Gelände neben dem Schreck-Heel Turm. Dieses in 3SL bis IV hoch. Hier sollte mit Umsicht geklettert werden. Das Gestein ist Teils brüchig bis locker und Steinschlag oben kann wahre Steinlawinen auslösen, denen der Nachsteiger auch Schutzlos ausgeliefert sein kann (immer nahe der Turmseitigen Wand bleiben).
[Bild: 5_13Sl_Frank_1.jpg]

Nun steht man in der Scharte zw. Schreck-Heel Turm und Gimpel NO-Grat. Die klassische Linie verfolgt nun den Weg rechts und steigt über leichtes Gelände aus. Das Schmankerl ist nun aber die steile Wand vor einem. Eine markante Rissspur leitet den Wag. Marcus Lutz nannte die Tour 1983 Klagemauer, es war anscheinend die erste Route im Tannheimer Tal, die alpin zwingend den 7.Grad fordert. Zudem ist die Route mit nur 2NH Ausgerüstet, die jeweils sie Stände definieren. Es ist also viel Platz für eigene Bastelarbeiten. Ganz große Klasse das es so etwas noch gibt in den Tannheimern.
Die erste Länge der Klagemauer (unsere 15.) ist ein klasse 6er, der zum eingewöhnen in die super Risse dient.
[Bild: 5_15SL_Frank_1.jpg]

Stand am NH, einen 4er Camalot kann man darüber in eine flache Rinne legen und kurz darüber noch ein Keil....Bombenstand, oder?

So nach dem Eingewöhnen geht’s jetzt aber zur Sache, selbst abzusichernde Kletterei im 7.Grad in etwas brüchigem Gestein. Nicht jedermanns Sache. Aber Frank merkt man gar nicht an, das es bereits die 16. Seillänge, also Klettermeter 560-580 oder so, ist. Er zieht es sehr souverän. Und das alles im goldenen Licht der Abendsonne, geil Big Grin.
[Bild: 5_16SL_Frank_1.jpg] [Bild: 5_16SL2_Frank_1.jpg]

Ich habe die Ehre der letzten Seillänge, noch mal rampfen, noch mal stemmen, spreizten und zittern. Angeblich nicht mehr so schwer. Aber halt uagnäm. Ich passe jedoch sehr gut in den Rampfkamin (Also rein formtechnisch nicht farblich).

[Bild: 5_17SL_Stef_1.jpg] [Bild: 5_17SL2_Stef_1.jpg]

Nun springen wir noch die 120m leichtes Gelände zum Gimpel hoch .... und ... give me five, ist doch klar. Echt lässige Route im Tannheimer. Wir haben beide lange auf die Tour gewartet bis wir uns sicher und stark fühlten. Toll wenn’s dann wahr wird.

Der Normalweg runter und zur Judenscharte geht’s dann problemlos. Die Scharte runter muss man dann etwas aufpassen aber bald schon kann man seine Räder in Empfang nehmen und in 20min zum Auto düsen.

Ein gefüllter Tag geht zu ende, der Gimpel grüßt uns im Abendrot...Ja wir kommen bald wieder seine wilde Seite besuchen.
[Bild: 5_Gimpel_abendstimmung_1.jpg]

Kurz die Facts:
550mH
620m Kletterlänge bis zum Grat
250m gebohrt (fehlen Teils Plättchen in den Längen) dann klassisch.
2 SL 7, 1SL 7-, Rest 6-6+, nur 4 SL leichter als 6.

Material:
KK, Cams 0.4-4(Stand Klagemauer), 0.4-0.75 und 3 doppelt, allerlei Schlingen. Hammer und Haken für evtl. Rückzug., Regenschutz (die Gewitter ziehen schnell herein).

Gutes Topo: Freudig, Klettern im Herzen der Tannheimer .

Fazit: Für große Kalkwände und abenteuerliche Kletterei muss man nicht immer in die Dolos fahren.

Grüße Frank&Stef.