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Normale Version: 23.-24. Juni 2007 Fletschhorn Nordwand
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Seit dem Aufbau des Zen Biwak an der Scharte unter dem Wandfuß des Fletschhorns, ist die Fletschhorn Nordwand klassisch. Die Wiener Route durch den rechten Wandteil wird im Frühjahr von einigen Seilschaften gemacht und das Biwak ist gut frequentiert.

Ich hatte mich seit den ersten Bildern dieser Wand gefragt, ob durch den linken kombinierten Wandteil keine Routen führen. Nach einigem suchen habe ich aber Infos gefunden, wonach es eine Route von Allenbach/Känel/Müller, eine von Gabarrou/Asselin und eine von Manoni/Rossi geben soll. Danke an dieser Stelle an alle die mich mit Infos versorgt haben. Wir wollten die Gabarrou gehen, sie soll recht sicher sein, da sie die Seracs weitgehend meidet.

Am Samstag ging’s dann endlich ins Wallis, ein Stück von Simplon Dorf Richtung Rossboden kann man noch hoch fahren aber bald war für meinen Caddy Sabbat. Der weitere Weg zu Fuß ist aber auch sehr Idyllisch.
[Bild: 5_Bach_1.jpg]

Als ich nun das erste Mal die Wand in Wirklich sah, war es schon beeindruckend. Da steht das Bollwerk, geschmückt und verziert von 3 Seracs dazwischen wild zerklüftetes Urgestein.
[Bild: 5_NWand_klein_1.jpg]

Wir beobachteten vom Zen Biwak noch lange die Wand, mögliche Linien wurden durchgespielt. Immer wieder rumpelt es gewaltig. Ich möchte lieber im Eis bleiben so lange wie möglich und den brüchigen Fels meiden wenn's geht. Eine dünne Rinne im mittleren Wandteil scheint die mögliche Schwachstelle zu sein. Diese wollen wir angehen.

Nun hieß es aber erst mal schlafen, man kann noch einmal die Sinne erfreuen, bevor es ins schmale Lager geht.
[Bild: 5_Biwak_4.jpg]

Am nächsten Morgen in aller Herrgott's frühe geht’s los. Aber ich will weit oben sein wenn sich die Wand erwärmt um wenigstens die Steinschlaggefahr so gering wie möglich zu halten. Zum Sonnenaufgang sind wir an der Wand. Wir nehmen uns kurz 2min um diesen, für mich immer wieder, mystischen Moment zu genießen wenn die ersten strahlen über den Horizont blinzeln.
[Bild: 5_Sonnenaufang_1.jpg]

Das Gelände ist schon hier unten kein Sonntagsspaziergang, aber wir kommen gut voran. Gut griffiger Schnee, wechselt mit sehr dünnen Eispassagen. Aber alles noch deutlich unter 60° nur eine kleine Steilpassage an einem Riegel war kurz etwas steiler.
[Bild: 5_Kombi_unten_1_1.jpg]

Das Gelände blieb leicht Felsdurchsetzt auch wenn es nun wieder flacher wurde.
[Bild: 5_Kombi_unten_1.jpg]

Nun war bereits die Eis- oder besser Firnrampe in sicht. Kurze Eisstücke unter gut haftendem aber etwas labilen Firnschnee. Aber eigentlich recht gut zu gehen.
[Bild: 5_Rinne_1.jpg]

Von hier kann man kurz in die Rinne zw. Felspfeiler und Serac queren und berührt so kurz die Route Puffi Magici. Um aber gleich wieder nach rechts auf den nächsten Felsriegel zu zuhalten.

Diesen haben wir dann seiner deutlich schwächsten Stelle in 2SL überwunden. Nicht schwer aber sehr schön, erste Länge Kombiniert bis 75°, zweite Länge rein Fels ca. IV.
[Bild: 5_Felsriegel_kombi_1_1.jpg] [Bild: 5_Felsriegel_kombi_2_1.jpg]

[Bild: 5_Felsriegel_Fels_1.jpg]

Danach trifft man auf das schöne Gipfeleisfeld. Wir wollten den oberen Pfeiler noch einmal kreuzen um rechts davon auf den Vorgipfel (P3930) zu kommen.
[Bild: 5_Abschlusshang_1.jpg]

Hier oben angekommen kann man endlich genießen was einem 4h im Rücken lag, die Berner Alpen.
[Bild: 5_Berner_Alpen_1.jpg]

Der Weiterweg hinüber zum Gipfel ist nun einfach und leicht zu gehen. Aber so früh im Jahr spürt man dann schon das man sich den 4000m nähert. So richtig gut ist man halt noch nicht Akklimatisiert.

Der unscheinbare Firngipfel ist erreicht, aufziehende Wolken und ein starker Föhnsturm lassen uns aber bald an den Abstieg denken.
[Bild: 5_Gipfel_2.jpg]

Beim Abstieg zeigt sich die Wand noch einmal im Profil, schon ein majestätischer Anblick, finde ich.
[Bild: 5_Wand_profil_1.jpg]

Nach dem wir eine etwas andere Durchstiegsroute gewählt haben als die drei beschrieben in diesem Wandteil, kurz noch eine Aufstiegsskizze.
[Bild: 5_NWand_gro_Tour_1.jpg]

Alles in allem eine prächtige kombinierte Tour in atemberaubendem Ambiente. Wenn Verhältnisse und Kondition stimmen eine objektiv recht sichere Tour. Als Abstieg wird dringend der Normalweg nach Westen oder der NO Grat empfolen. Vom NW-Grat muss dringend abgeraten werden. Dieser ist im Mittelteil kriminell brüchig.


Beste Grüß,
Stef.